Im Rahmen der Leserunde zu Heir of Illusion von Madline Taylor möchte ich meine Rezension noch teilen.
Der Einstieg ins Buch ist äusserst gelungen: Man wird direkt mitten in eine actionreiche Szene geworfen und sofort in die Geschichte hineingezogen. Besonders positiv fand ich, dass man trotz des rasanten Beginns nie den Überblick verliert. Schon in den ersten Kapiteln wird klar, was gerade passiert, und auch die wichtigsten Charaktere werden verständlich eingeführt, ohne dass es sich gezwungen oder überladen anfühlt.
Das Worldbuilding ist eher minimalistisch gehalten, aber vollkommen ausreichend, um der Handlung problemlos folgen zu können. Man muss sich kaum Informationen selbst zusammensuchen oder zwischen den Zeilen lesen, was den Lesefluss sehr angenehm macht. Dadurch kann man sich einfach in die Geschichte fallen lassen und wird nicht ständig aus der Handlung gerissen.
Charakterlich bedient das Buch viele bekannte Tropes der Romantasy: den grausamen König, die traumatisierte Assassine, den mysteriösen „Shadow Daddy“. Auch die Nebencharaktere bleiben grösstenteils recht klassisch und sind nicht besonders originell ausgearbeitet. Das ist zwar nichts Neues, hat mich persönlich aber nicht allzu sehr gestört, da diese Elemente solide umgesetzt sind.
Ein echtes Highlight war für mich jedoch das Magiesystem. Die Hauptprotagonistin Ivy ist ein sogenanntes Phantom – sie kann unsichtbar werden und sich selbst klonen, was ich unglaublich spannend und kreativ fand. Diese Fähigkeiten werden gut in die Handlung integriert und sorgen für interessante Szenen. Auch Thorne verfügt über besondere Kräfte: Er kann Schattenschlangen heraufbeschwören, was nicht nur optisch eindrucksvoll ist, sondern auch perfekt zu seiner geheimnisvollen Aura passt.
Die Dynamik zwischen Ivy und Thorne hat mir insgesamt sehr viel Spass gemacht. Ihre Wortgefechte und die unterschwellige Spannung waren unterhaltsam und haben das Lesen kurzweilig gemacht. Allerdings ging mir ihre emotionale Nähe stellenweise etwas zu schnell. Sie vertrauen sich sehr früh, was sich teilweise leicht unnatürlich anfühlte und für mich etwas mehr Zeit gebraucht hätte.
Da die Hintergrundgeschichten der beiden erst relativ spät ausführlicher beleuchtet werden, fiel es mir lange schwer, Ivy und Thorne wirklich zu greifen und emotional nah bei ihnen zu sein. Gegen Ende ändert sich das jedoch deutlich – besonders mit Ivy habe ich stark mitgelitten, und ihre Entwicklung konnte mich schliesslich überzeugen.
Wenn man viel Romantasy liest, hat man zwischendurch durchaus das Gefühl, dass die Handlung recht vorhersehbar wird. Man glaubt zu wissen, wohin alles führt – und genau dann kommt am Ende ein riesiger Plottwist, der alles auf den Kopf stellt. Ich war absolut nicht darauf vorbereitet und komplett überrascht. Dieser Twist hat das Buch für mich enorm aufgewertet und dafür gesorgt, dass es mir deutlich stärker im Gedächtnis geblieben ist.
Deshalb gibt’s von mir 4 Sterne und ich warte jetzt schon schmerzhaft auf Band zwei.