„Frankenstein“ ist ein Buch, das man nicht einfach als Horrorroman abtun kann. Mary Shelley verwebt große Fragen nach Verantwortung, Ethik und menschlicher Überheblichkeit in eine Geschichte, die bis heute relevant ist. Das hat mich beeindruckt. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein: Der Stil ist typisch für das frühe 19. Jahrhundert – poetisch, aber auch ausschweifend. Wer schnelle Spannung sucht, wird hier nicht glücklich.
Die Figuren sind vielschichtig, besonders die Kreatur, die mehr Mitgefühl weckt als ihr Schöpfer. Victor Frankenstein bleibt für mich etwas distanziert, was die emotionale Bindung erschwert. Der Spannungsbogen ist nicht durchgehend stark, aber die Atmosphäre und die philosophische Tiefe machen das wett.
Für mich ist „Frankenstein“ kein Buch, das man nebenbei liest. Es fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt aber mit einer Geschichte, die lange nachhallt. Ein Klassiker, den man kennen sollte – vor allem, wenn man sich für die dunklen Seiten menschlicher Ambitionen interessiert.