Mit Jenseitigem kennt sich die Schweizer Literatur aus.
So veröffentlichte Beatrice Brunner das 2012 in der 5. Auflage erschienene Buch “Was uns erwartet” mit Berichten von Verstorbenen, welche die Autorin medial empfangen haben will.
Der Walliser Psychologe Beat Imhof wiederum schrieb mehrere Bücher über das Leben nach dem Tod und begriff das Jenseits als “Fotokopie” des Diesseits, wonach jede Tat hier einen unmittelbaren Nachhall dort erfahre.
Erich von Däniken, der nun heute, 11. Januar 2026, neunzigjährig von uns gegangen ist, schlug einen anderen Weg der transzendenten Welterklärung ein. Ausserirdische hätten einst die Evolution auf unserem Planeten wenn nicht in Gang gesetzt, so doch massgeblich beeinflusst. Mit dieser filmreifen und auch verfilmten Ansicht begeisterte er weltweit ein Millionenpublikum.
Der Autor schliesst wissenschaftliche Erklärungslücken mit einer Verzahnung von Biblischem, Mythischem und Historischem. Beispiel Pyramidenbau. Es gibt bis heute skeptische Stimmen, die es für schwer vorstellbar erachten, dass menschliche Körper die schweren Baumaterialien bis obenauf geschleppt haben sollen. Von Däniken schreibt:
Nördlich von Damaskus liegt die Terrasse von Baalbek: eine Plattform, die aus Steinblöcken gebaut ist, von denen einige über 20 Meter Seitenlänge haben und fast 2 ooo Tonnen wiegen. Bisher hat die Archäologie keine überzeugende Erklärung dafür geben können, warum - wie und von wem die Baalbeker Terrasse gebaut wurde. Der russische Professor Agrest allerdings hält es für möglich, dass es sich bei den Resten der Terrasse um Überbleibsel einer riesigen Landefläche handeln kann.
Die Abhandlung besticht vor allem durch die Erwähnung historischer Reizwörter wie Gleitrollen, Holzrollen sowie die korrekte Beschreibung der lokalen Geografie. Dazwischen schalten sich Suggestionsfragen wie etwa “Hat man Holz importiert?” Die darauffolgenden Ausführungen erwecken den Eindruck einer Antwort. Tatsächlich schweift der Autor ab, dissertiert über Dieses und Jenes des Holzin- und exports, sodass der oder die Leserin die Antwort auf die gestellte Frage selbst beantworten muss. Suggestivfragen haben, wie sich in der Geschichte immer wieder gezeigt hat, eine starke Überzeugungskraft.
Dass das Buch in kürzester Zeit zum internationalen Renner wurde, hat bestimmt mit diesem rhetorischen Kniff zu tun. Der Verweis auf Professoren und andere wissenschaftliche oder pseudowissenschaftliche Quellen täuscht leicht über die Tatsache hinweg, dass wir es hier mit Fantasie und reiner Spekulation, wenn nicht gar mit der These einer Weltenverschwörung à la Dan Brown zu tun haben. Nur, dass Brown seine Werke ganz klar als Fiktion kennzeichnet.
Das im Hinterkopf behaltend liest sich das Buch vergnüglich. Auch nötigt einem das grosse Detailwissen, das sich von Däniken angeeignet hat, Respekt ab. So viel Respekt darf auf jeden Fall sein.