Dieses schmale Buch liest sich schnell, entfaltet dabei aber eine erstaunliche Tiefe. Psychoanalytikerin trifft Marina Abramović (Künstlerin trifft Jeannette Fischer) ist weniger eine klassische Analyse als vielmehr eine kluge, persönliche Annäherung an das Werk und den inneren Antrieb einer der radikalsten Künstlerinnen unserer Zeit.
Besonders als Ergänzung zu Abramovićs autobiografischem Buch Durch Mauern gehen funktioniert dieser Text hervorragend. Während man dort die äusseren Stationen ihres Lebens und Schaffens kennenlernt, hilft diese psychoanalytische Perspektive, ihren Schmerz, ihre Grenzerfahrungen und die Konsequenz ihres Handelns besser zu verstehen. Die Anekdoten zu einzelnen Arbeiten eröffnen neue Deutungsebenen und machen deutlich, warum Körper, Schmerz und Ausdauer für Abramović nie blosse Provokation waren, sondern existenzielle Notwendigkeit.
Gerade weil das Buch so kompakt ist, bleibt es fokussiert und eindringlich. Es überfrachtet nicht, sondern lädt dazu ein, bekannte Werke neu zu betrachten – empathischer, tiefer und mit einem erweiterten Verständnis für die innere Logik hinter der extremen Kunst.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die Marina Abramović bereits kennen und ihr Werk nicht nur sehen, sondern wirklich begreifen wollen.