Kristine Bilkau gelingt in Wasserzeiten ein leises, zugleich tiefgründiges Buch über das Schwimmen und alles, was sich darin spiegelt: Erinnerungen, Körperlichkeit, Naturerfahrung und innere Bewegungen. Es ist kein klassischer Sachtext und auch kein reiner Erfahrungsbericht, sondern eine poetische Mischung aus persönlicher Reflexion, kulturgeschichtlichen Streifzügen und feinen Beobachtungen des Alltags.
Besonders eindrucksvoll ist, wie Bilkau historische Fakten, Anekdoten und Wissenswertes über das Schwimmen mit ihren eigenen Erlebnissen verwebt. Dadurch entsteht ein Text, der nicht nur informiert, sondern auch berührt. Man spürt die Nähe zum Wasser, die Sehnsucht nach Weite und die Ruhe, die sich im Rhythmus der Züge einstellt. Für Menschen, die selbst leidenschaftlich schwimmen, entfaltet das Buch eine besondere Resonanz: Viele der beschriebenen Momente wirken vertraut, fast intim — als würde jemand die eigenen Gedanken in Worte fassen.
Bilkau schreibt in einer klaren, unaufgeregten Sprache, die dennoch poetisch wirkt. Manche Passagen laden zum Innehalten ein, andere öffnen überraschende Perspektiven auf ein scheinbar alltägliches Thema. Gerade diese Mischung macht Wasserzeiten zu einem Buch, das man nicht einfach „durchliest“, sondern begleitet.
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die ruhige, essayistische Form nicht immer gleichmäßig trägt; gelegentlich verliert sich der Text etwas in Abschweifungen. Doch das schmälert den Gesamteindruck kaum.
Wasserzeiten ist ein atmosphärisches, kluges und sehr persönliches Buch über das Schwimmen. Für alle, die selbst gerne schwimmen, ist es fast schon ein Spiegel — und für alle anderen eine Einladung, die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Eine klare Empfehlung, die mit 4 von 5 Sternen absolut verdient ist.