In Ein wenig Leben begleiten wir vier Männer, vor allem jedoch Jude St. Francis, über viele Jahre hinweg und lernen nach und nach sein Leben, seine Vergangenheit und seine Beziehungen kennen.
Ich finde dieses Buch schwierig zu bewerten. Der Schreibstil ist aussergewöhnlich schön: fein, ruhig und so präzise, dass man dem Text volle Aufmerksamkeit schenken muss, um keine Nuancen zu verpassen, selbst dann hatte ich manchmal das Gefühl, nicht alles erfasst zu haben. Der Einstieg fiel mir allerdings etwas schwer. Der Anfang von ca. 300-400 Seiten finde ich lange für einen Anfang auch wenn das Buch über 900 Seiten, und ich brauchte einige Zeit, um wirklich in der Geschichte anzukommen. Danach liess sich das Buch deutlich leichter lesen.
Hanya Yanagihara beschreibt die vielen Facetten von Freundschaft, Liebe und Abhängigkeit unglaublich treffend. Vermutlich braucht dieser Roman genau deshalb so viele Seiten. Ein wenig Leben stellt Fragen die für mich unbeantwortet bleiben: Darf man einen Menschen retten, der nicht gerettet werden will? Wie kann ein Mensch so viel Grausamkeit ertragen, oder kann man überhaupt von ertragen reden?
Gedanklich werden mich Jude, aber auch JB, Malcolm und vor allem Willem sicher noch lange begleiten.
Den Buchtitel finde ich interessant, hätte es aus dem Englischen auch in “Ein kleines Leben” übersetzt werden können?
Das Buch bräuchte meiner Meinung nach einige bis viele Triggerwarnungen.