In „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ geht es um eine Familie, die mit der Alkoholsucht des Vaters leben muss. Die Ich-Erzählerin, die jüngere Tochter, erlebt ihn wie zwei Personen: den liebevollen, zugewandten Vater und den trinkenden, unberechenbaren Mann. Mit der Zeit verblasst das Bild des fürsorglichen Vaters immer mehr, und zurück bleibt eine Familie, die versucht, mit den Folgen seiner Sucht irgendwie weiterzumachen. Das Buch ist in sehr kurze Kapitel aufgeteilt und umfasst nicht einmal zweihundert Seiten. Normalerweise mag ich kurze Kapitel, hier haben sie meinen Lesefluss aber eher gestört. Die Szenen springen stark in der Zeit, sodass ich mich immer wieder neu orientieren musste: Sind wir gerade in der Kindheit oder in der Gegenwart? Oft wollte ich mehr über die aktuelle Situation erfahren und genau in dem Moment war das Kapitel zu Ende, was mich unangenehm aus der Geschichte herausgerissen hat. Vielleicht hat es mich auch deshalb emotional nicht so sehr erreicht, wie ich es mir bei diesem Thema gewünscht hätte. Sprachlich ist es dafür sehr zugänglich. Die Autorin erzählt in kurzen, einfachen Sätzen und schafft damit eine stille, aber eindringliche Atmosphäre. Beeindruckt hat mich, wie offen in der Familie mit der Sucht des Vaters umgegangen wird. Alle wissen, dass er trinkt, und trotzdem funktioniert der Alltag irgendwie weiter. Besonders nahe war mir der Bruder, der viel zu früh Verantwortung übernehmen musste. Er zieht seine jüngere Schwester quasi mit gross und kümmert sich um alles, was liegen bleibt. „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ist ein stilles, eindringliches Buch über Sucht und das Erwachsenwerden in einem unsicheren Zuhause. Inhaltlich hat mich die Geschichte berührt, formal bin ich mit dem Buch aber nicht ganz warm geworden. Die sehr kurzen Kapitel und Zeitsprünge haben meinen Zugang eher erschwert und mich emotional auf Distanz gehalten.