Die Tochter berühmter Eltern erzählt vom Abschiednehmen von ihrem alten Vater und vom Versuch, als Kind die Welt zu begreifen und von den Eltern geliebt zu werden. Der Vater, Regisseur, Künstler, ist meistens abwesend oder dann in seiner Welt und Einsamkeit gefangen. Die Mutter reist von Engagement zu Engagement, das Kind muss mit und wird von Hausdamen beaufsichtigt. So steht das Kind zwischen berühmtem Vater, schöner und bewunderter Mutter und ist nirgends wirklich willkommen und zuhause.
Das Buch springt in den Zeiten hin und her: Gegenwart des kleinen Mädchens, den Nachlass des Vaters sichtende Frau, Gespräche mit dem alten Vater, Abschnitte aus den Interviews, aus dem eine Biografie hätte entstehen sollen: das macht es nicht immer einfach. Das Ganze ist der Versuch der Tochter, ihr Leben und das ihrer Eltern zu begreifen und zu erzählen. So findet sie in einem Notizbuch den Satz: «Am innersten Punkt der Geborgenheit wohnen. Ich frage mich, was er damit meinte. (…) Es klingt wie ein Ort, an dem man sich nicht aufhalten darf. Man wird garantiert gleich wieder hinausgeworfen, wenn man denn überhaupt hineingelangt. Überall sind Grenzposten und Stacheldrahtzäune und das altbekannte Gefühl, dass ich hier, mit den andern zusammen, nicht hingehöre». (142).
Neben der bildhübschen und berühmten, von Männern begehrten Mutter verschwindet die Tochter und fühlt sich selbst nicht nur nicht geliebt, sondern einfach hässlich: «Ich habe nicht die gleiche Wirkung auf Menschen wie Mama. Ich habe viel zu grosse Zähne und viel zu viel Zahnspange im Mund, um das Gefühl zu haben, dass es sich lohnen könnte, irgendetwas zu sagen, ausserdem bin ich eindeutig nicht in der Lage, Menschen so weit zu bringen, mich gesehen und geliebt zu fühlen». (197)
Einen Grossteil des Buches nehmen die Interviews mit dem alten, verwirrten Vater ein. Eigentlich wollte er ein Buch schreiben, seine Tochter nimmt die Gespräche auf, aber das Projekt verliert sich in zunehmender Demenz und Gebrechlichkeit. Alt und gebrechlich werden, nicht mehr dazugehören, einsam werden sind die Themen der zweiten Hälfte des Buches und ziehen sich auch ziemlich lang dahin. «Ich finde, dass das Altwerden eine harte, schwere, wenig glamouröse Arbeit mit sehr langen Arbeitszeiten ist». (377)
Das Buch ist in einer klaren Sprache geschrieben und zeigt die Suche von Menschen nach Liebe und Geborgenheit auf, von Menschen, die sehr unstet sind, mal da und mal dort hinziehen, Anerkennung suchen (und auch bekommen) und diese Unruhe auch dem Kind weitergeben, das als Frau in den mittleren Jahren in der Erinnerung und Trauer um den Vater sich selbst zu finden versucht.