In “Der letzte Tag des Fährmanns” begleitet man Nils Vik, einen Fährmann, auf seiner letzten Fahrt über den Fjord. Äusserlich geschieht wenig – und doch entfaltet sich auf dieser Überfahrt ein ganzes Leben. In Erinnerungen, Begegnungen und Gedanken wird spürbar, wie sehr Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfliessen. Die letzte Fahrt wirkt wie ein symbolischer Übergang, ein Dazwischen.
Mich hat besonders berührt, wie ruhig und unaufgeregt dieser Roman erzählt ist. Die Geschichte nimmt sich Zeit, lässt Raum und vertraut darauf, dass vieles nicht ausgesprochen werden muss. Gerade diese Zurückhaltung gibt dem Buch Tiefe. Nils wirkt bodenständig und vertraut, wie jemand, der viel erlebt hat und dennoch nicht viele Worte braucht. Seine Gedanken, sein Logbuch, die kleinen Episoden – all das fügt sich zu einem stillen, dichten Porträt.
Krankheit, Verlust und Einsamkeit kommen gegen den Schluss – fast so, als würden genau diese Gedanken einen Menschen zuletzt noch einmal einholen. Das wirkt sehr stimmig und ehrlich. Man spürt, dass es um Dinge geht, mit denen vielleicht nie ganz abgeschlossen werden konnte.
Besonders eindrücklich fand ich das Bild des Fährmanns, der selbst unterwegs ist und von Menschen begleitet wird, die ihn in seinem Leben geprägt haben, hat mich sehr angesprochen. Dieses Buch verlangt Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf eine leise Geschichte einzulassen. Für mich war es ein Roman, der nicht laut berührt, sondern still bleibt – und gerade deshalb lange nachklingt.