Lichter aus , ein magischer Film fängt an. Der Leser-Zuschauer verliert sich zuerst in der farbfrohen Beschreibung der kagirsischen Landschaft, so weit enfernt, räumlich und biologisch. Dann wird er per Hand in das Leben einer Großfamilie geführt, in ihren Dorf, wo Witwen und Bräute von Soldaten, aber auch Buben, die zu jung waren, um an die Front geschickt zu werden, die Arbeit der Männer an der Front übernommen hatten. Dshamilja lebt bei der Schwiegermutter, zusammen mit einer “zweiten Mutter” (unfassbar schöne Bezeichnung!), die verwitwet war und die vom Bruder des verstorbenen Mannes als zweite Frau genommen wird, damit ihr ein Leben in Entbehrung und alleine erspart bleibt. Dshamilja und ihr Ehemann hatten nicht so richtig Zeit, eine starke Verbindung zueinander aufzubauen, denn er musste kurz nach der Trauung an die Front. Dshamilja ist aber eine junge, gesunde und lebendige Frau, und vermisst die Liebe. Eines Tages kommt ins Dorf ein junger Mann, der als Soldat “aussortiert” wurde, wegen eine Verletzung am Bein. Der Mann ist ein Weisekind, das nie ein richtiges Zuhause hatte. Er ist schweigsam, in sich zurück gezogen, er scheint einer Vision, einem Traum oder vielleicht einer Sehnsucht hinterher zu schwärmen. Er verliebt sich geheim und leise in Dshamilja. Dshamilja will am Anfang ihn gar nicht gesehen haben, bis an einem Abend, wenn auf dem Rückweg nach Hause nach einem harten Arbeitstag, sie den Weg findet, zu ihm zu durchdringen, ihn sein Herz öffnen zu lassen, und mit ihm zu kommunizieren : sie bittet ihn zu singen. Da entdecken die beiden ihre Seelenverwandschaft und dadurch ihre Liebe.
Dshamiljas junger Schwager (der die Geschichte erzählt) erlebt erst durch die Liebe für Dshamilja , dann durch die Liebe des jungen Paares Selbsterkenntnis und persönliche Entwicklung, die ihm den Mut geben, seinen eigenen Weg weg von der Familientradition zu gehen.
So eine kleine Lektüre mit so viel Tiefgang, Poesie, Leben und natürlich….Liebe.
Unbedingt lesen.