Bestimmt hat jeder in der Schule die eine oder andere Fabel des Dichters Äsop gelesen.
Äsop lebte zur Zeit des Kaisers Augustus um das Geburtsjahr Christi herum, war schwerstbehindert und grundhässlich. Das einzige, was er gut konnte, war Erzählen.
Was man über ihn weiss, steht in einem zeitgenössichen Lebensbericht, der natürlich nicht historisch ist. Da geraten wie in der damaligen Zeit üblich Fakten und Legendenbildung durcheinander.
Hans Joachim Schädlich hat diese frühe Lebensbeschreibung nacherzählt. Scharf und prägnant zeichnet er ein Stimmungsbild der damaligen Gesellschaft. Man liest, worüber die Leute gelacht haben. Gelegentlich lacht man mit, gelegentlich bleibt dem Leser des 21. Jh. aber auch das Lachen im Halse stecken.
Wer Schädlich noch nicht kennt, sollte ausserdem unbedingt “Versuchte Nähe” lesen. Ein Erzählband über das Leben in der DDR. Und vor allem eine stilistische Meisterleistung, wie sich in den scheinbar zufällig niedergeschriebenen Erzählungen nach und nach der rote Faden abzeichnet.
Ganz grosse Erzählkunst, die Schädlich in “Gib ihm Sprache” fortgeführt hat.