Inspector Frank Grasby ist weder Weinkenner noch Hobby-Sternekoch, dafür ein traumatisierter Überlebender des zweiten Weltkriegs. Er ermittelt weder im mondänen Südfrankreich noch in einer hippen Metropole sondern in York (Nordengland). Der Autor zeichnet mit Frank Grasby keinen perfekten, abgebrühten Superhelden sondern einen etwas tollpatschigen, äusserst liebenswerten Ermittler mit zutiefst menschlichen Regungen, der immer wieder in Situationen gerät, die eine Nummer zu gross für ihn sind - und der Inspector ist sich dessen voll bewusst.
Zeitlich ist die Handlung am Anfang der 1950-er angesiedelt. Mir sind bislang kaum Bücher begegnet, die in jener Zeit spielen. Ich war überrascht zu lesen, wie lange die Auswirkungen des Kriegs nachhallten.
Denzil Meyrick (kein Deutscher mit englischem Pseudonym sondern waschechter Schotte) hat einen gelungenen Aufbau für das Buch gefunden und schreibt in einer Sprache (eine gute Portion britischen Humors inklusive), die mich direkt angesprochen hat.
Leseempfehlung an alle, die einen kreativen Plot ausserhalb der üblichen Krimi-Pfade suchen.
Übrigens: Das Buch ist der Auftakt zu einer Serie. Der Autor ist jedoch im Februar 2025 gestorben. Der zweite Fall mit Frank Grasby ist vor wenigen Wochen erschienen (in Englisch) und ein weiterer ist zur Veröffentlichung in Vorbereitung.