„Ja, nein, vielleicht“ von Doris Knecht ist ein Roman, der sich mit den grossen und kleinen Fragen des Lebens auseinandersetzt. Die Autorin lässt ihre Protagonistin (ü50) in einem inneren Monolog durch Erinnerungen und Alltagsbeobachtungen streifen, stets auf der Suche nach Antworten, die sich nicht eindeutig finden lassen. Es ist ein Buch über Entscheidungen, über das Altern und über die Ambivalenz menschlicher Beziehungen.
Knechts Sprache ist präzise, oft pointiert, und sie versteht es, Gedanken in klare Worte zu fassen. Doch die Erzählung bleibt stark introspektiv, fast handlungsarm. Die Hauptfigur wirkt dabei häufig kritisch, manchmal sogar pessimistisch, was dem Roman einen eher schweren Ton verleiht. Für Leserinnen und Leser, die sich nach Leichtigkeit sehnen, kann das ermüdend wirken. Die Gedanken schweifen zudem oft zu Nebensächlichkeiten, was den Eindruck verstärkt, dass die grossen Fragen des Lebens nur am Rand berührt werden.
Gerade wenn man selbst hofft, mit über fünfzig dem Leben positiver gegenüberzustehen, kann die negative Grundhaltung der Protagonistin befremdlich wirken. Wer sich jedoch für die feinen Nuancen von Selbstzweifeln interessiert und die leisen Töne der Gegenwartsliteratur schätzt, findet hier eine sprachlich gekonnte, wenn auch nicht immer ermutigende Lektüre.
Ein Roman für Freundinnen und Freunde des Nachdenkens, weniger für Optimisten. Sprachlich stark, thematisch konsequent, aber mit einer Protagonistin, die sich in kritischen Gedanken verliert.