Lazar von Nelio Biedermann ist definitiv ein Buch, das mich überrascht und zutiefst berührt hat. Bereits vor der Lektüre habe ich viel über das Buch und seinen Autor gehört. Entsprechend neugierig war ich darauf, wie ich seinen Debütroman selbst einschätzen würde.
Der erste Teil hat mich sofort in seinen Bann gezogen, und ich bin fasziniert davon, wie Biedermann die Welt wahrnimmt. Er beschreibt Szenen mit Worten, die mir in dieser Kombination nie in den Sinn gekommen wären, die aber die Situation auf eine unglaublich berührende Art einfangen. Dass jemand in so jungen Jahren bereits so schreiben kann, finde ich bemerkenswert.
Im mittleren Teil wurde ich dann von der Brutalität überrascht. Schonungslos wird die Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen erzählt. Sie hat mich mitgenommen; ich habe mitgelitten, mitgefiebert und gehofft, dass es für die Familie ein gutes Ende nimmt. Wie kompromisslos er die Weltgeschichte mit der Familiengeschichte der Lazars verwebt, hat mich beeindruckt. Immer wieder fragte ich mich, was noch Fiktion ist und welche Geschichten über Generationen hinweg in Biedermanns eigener Familie weitergegeben wurden. Meiner Meinung nach erzählt er unglaublich realitätsnah, und einmal mehr war ich entsetzt darüber, wie abgrundtief böse der Mensch sein kann und wie es zu all den Gewaltverbrechen vor, während und nach den Weltkriegen kommen konnte.
Der dritte Teil hat mich dann wieder etwas an den ersten erinnert. Die Geschichte wird eindringlich, aber sanft und mit viel Wortgewandtheit weitererzählt. Dennoch gab es auch hier die eine oder andere Wendung, die ich nicht vorausgesehen habe. Das Ende hat mich erneut stark berührt. Im Grunde geht die Geschichte versöhnlich aus, und doch schwingt eine grosse Melancholie mit, die mich tief bewegt hat.
Alles in allem verstehe ich die positive Resonanz rund um das Buch sehr gut. Es greift eine Geschichte auf, die vor knapp hundert Jahren spielt, und dennoch wirkt die Thematik erschreckend aktuell. Nelio Biedermann hat mich mit seinem Schreibstil vollkommen überzeugt und berührt. Er hat einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil. Ich bin sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm hören werden und ich werde seine kommenden Werke sehr gerne lesen.