Ich lese Nils Mohls Bücher enorm gerne. Poetisch, mit einprägsamen Bildern und sympathischen, lebensnahen Figuren behandelt er auch schwierige Themen mit Leichtigkeit und einem gewissen Punk-Rock-Glamour (ich drücke mich gerade nicht gut aus, aber seine Bücher haben eine alles überstrahlende Intensität, ähnlich einem Konzert), ohne zu bagatellisieren. Er nimmt seine jugendlichen Leser*innen, ihre Themen, Probleme, Gedanken ernst, versetzt sich in sie hinein und begeistert mich damit.
Kester, beispielsweise, unser Ich-Erzähler in «Engel der letzten Nacht» hat das Abitur in der Tasche, die Welt liegt dem hochintelligenten jungen Mann zu Füssen, er kann werden, was er will, doch er weiss seit Monaten nicht, wofür es sich zu leben lohnt. Eigentlich, so Kester, kann es ab hier doch nur noch bergab gehen. Enttäuschungen stehen ins Haus, das bleibt gar nicht aus. Wozu sich das antun? Warum nicht die Nacht der Nächte erleben – und danach ist Schluss. Das Philosophieren lässt er hinter sich, als er zu Beginn des Romans losfährt nach Hamburg, um besagte Nacht der Nächte zu erleben. Doch diese Nacht hält mehr als eine Überraschung bereit.
Es sind die Zufallsbegegnungen, die Kesters Nacht prägen, und deren Zauber das Leben an sich ausmacht. Faszinierend, wie Mohl seinen Erzähler immer wieder neu ausholen, das bereits Erlebte auf eine leicht abgewandelte Weise neu schildern lässt. «Engel der letzten Nacht» erlaubt am Schluss verschiedene Lesarten. Ein Roman, der berührt, bewegt, zum Diskutieren und Philosophieren einlädt und dazu ermutigt, dem Leben eine Chance zu geben.