war ich beim Lesen dieser hervorragend geschriebenen Lebensgeschichte einer palästinensischen Frau und der tiefe Eindruck bleibt nachhaltig hängen.
(Ergänzt wird das Buch durch einen historischen Abriss von Arnold Hottinger.)
Die Autorin Sumaya Farhat Naser wird als eines von neun Kindern der Familie im Jahr 1948 in Birseit bei Jerusalem geboren - in dem Jahr, in welchem der Staat Israel gegründet wurde, auf dem Boden, der seit Jahrhunderten den Palästinensern und Palästinenserinnen gehört hatte. Von klein auf lebt sie mitten in den Geschehnissen, erlebt die Angst der Eltern, Armut, Repressionen, erfährt selbst, wie schwierig es war, Schulbildung zu erhalten. Sie entdeckt für sich, dass die Bildung wichtig ist, erreicht, dass sie in Hamburg studieren kann. Die ganze Zeit über setzt sie sich für die Sache der Palästinenserinnen und Palästinenser ein, gründet Frauengruppen, um aufzuklären.
Neben dem Bericht über ihr eigenes Leben, rollt sie auch Geschichte auf. Die Geschichte um die Besatzung Palästinas, die Intifada, die Entstehung der PLO, den 6-Tage-Krieg etc.
Die Autorin knüpft viele Kontakte, vor allem zu anderen Frauen, auch zu Jüdinnen. Es gefällt mir, dass Sumaya Farhat-Naser nicht schimpft, poltert, sondern aus ihrer persönlichen Sicht die Ereignisse darlegt. Ihr Leben und das ihrer Familie ist nicht von den Ereignissen trennbar - so erfährt man aus dem Alltag von Sumaya Farhat-Naser und später aus dem Alltag ihrer Familie mit ihren Kindern und parallel dazu, was sich in der Umgebung und politisch abspielt. Dass sie dabei die palästinensische Sicht innehat, ist ihr klar und sie räumt es explizit ein. Da sie nur die Informationen über ihre Sicht erhält und die Israeli nur über ihre Seite, macht es schwierig, den Blick weiter zu öffnen. Dies schildert sie auch in Bezug auf eine jüdische Kollegin, mit der sie zusammenarbeitet - sie sehen beide unterschiedliche Wahrheiten und gestehen sich ein, dass beide recht haben und auch beide falsch liegen können.
Sumaya Farhat-Naser hat eine unermüdliche, wichtige Arbeit geleistet in der Bildungsarbeit, als Dozentin an der Universität und bei ihren Aktivitäten in Organisationen.
Dieses Buch ist ein Highlight 2025 im Genre Sachbücher, als solches möchte ich es zusätzlich zum Biografischen bezeichnen.
Friedensarbeit beruht auf der Bereitschaft, die Gewalt wahrzunehmen, die vom eigenen Volk und dem anderen ausgeübt wird, und an ihrer Überwindung zu arbeiten. Friede setzt voraus, dass beide Seiten gleichermassen Gerechtigkeit erfahren und dass beide ihre Menschenwürde und Sicherheit gewahrt wissen,