Frankenstein ist ein Roman, bei dem man deutlich spürt, dass er 1818 entstanden ist. Der Schreibstil ist ungewohnt und stellenweise sperrig, weshalb ich langsamer gelesen habe als sonst. Nach einer gewissen Eingewöhnung hat mich die Geschichte jedoch immer mehr gepackt, besonders durch die Rahmenhandlung in Briefform und den Wechsel der Erzählperspektiven.
Was den Roman für mich so stark macht, sind seine zeitlosen Themen: wissenschaftlicher Ehrgeiz, Verantwortung, Einsamkeit und die Frage, wie weit Fortschritt gehen darf. Victor Frankenstein ist eine faszinierende, aber auch erschreckende Figur, getrieben von Neugier und Verlust, ohne die Konsequenzen seines Handelns wirklich zu bedenken. Besonders eindrücklich fand ich, dass auch der Kreatur eine Stimme gegeben wird, dadurch entsteht Empathie und moralische Ambivalenz, die weit über eine klassische Gruselgeschichte hinausgeht.
Das Buch ist keine leichte Lektüre, aber eine lohnende. Frankenstein regt zum Nachdenken an und wirkt erstaunlich aktuell, gerade im Hinblick auf moderne wissenschaftliche und ethische Fragen. Ein Klassiker, der seinen Status definitiv verdient hat.