Die Autorin schildert eindrücklich, wie zwei Frauen in zwei komplett unterschiedlichen Lebenssituationen um die selbe Sache kämpfen: ihre persönliche Freiheit.
Sarah Grimké, in die weisse Oberschicht des Charleston des beginnenden 19 Jahrhunderts geboren, will Anwältin werden und stösst mit ihrem Wunsch an die Grenze der gesellschaftlichen Akzeptanz. Handful, eine der schwarzen Sklavinnen der Familie, riskiert mit ihrem widerspenstigen, provokativen Verhalten immer wieder Kopf und Kragen. Die Leserin begleitet die beiden Frauen während 30 Jahren auf ihrem steinigen Weg der Selbstverwirklichung.
Dass Sarah und ihre 13 Jahre jüngere Schwester Angelina tatsächlich gelebt haben, erfuhr ich erst in den Anmerkungen der Autorin am Ende des Buchs. Die Schwestern waren Vorreiterinnen in Sachen Sklavenbefreiung und Frauenrechte in den USA. Sie publizierten Pamphlete und hielten öffentliche Vorträge in einer Zeit, in der die Gesellschaft von Frauen Genügsamkeit und sittsames Verhalten erwartete. Sarahs und Angelinas Mut und Wirken wurde, wie bei vielen anderen Frauen auch, in der Geschichtsschreibung unterschlagen. Ich finde es wunderbar, dass Sue Monk Kidd den beiden Heldinnen eine Stimme gegeben hat.
Das folgende Zitat der Sklavin Handful bringt das Thema das Buch auf den Punkt: „Gebt acht, denn ihr könnt zweifach versklavt werden, einmal mit eurem Körper und einmal mit eurem Geist.“