Eva Lugbauer erzählt in Schwimmen im Glas aus der Perspektive von Lore, einem Mädchen, das zwischen zehn und zwölf langsam begreift, was es bedeutet, ein Mädchen zu sein. Am Anfang besticht das Buch durch feine Beobachtungen, durch einfache, klare Sprache, die gerade deswegen so echt wirkt. Kein künstliches, literarisches Aufpolieren, sondern genau so, wie ein Kind die Welt beschreibt — neugierig, „wunderig“ eben, tastend, ohne große Erklärungen, aber mit wachem Blick.
Auch die Wechsel zu der älteren Lore sind gut eingebunden. Sie sind kurz, fast beiläufig, aber nie störend. Die Sprache bleibt auch dort schlicht und glaubwürdig. Beeindruckend ist der Ton des Buches: eine leise, aber sehr klare Art von Nihilismus durchzieht die Seiten. Kein Heldinnentum, kein falscher Trost, kein „alles wird gut“. Eher das Gefühl: die Welt bleibt, wie sie ist, und das Leben geht weiter, ob man will oder nicht.
Trotzdem bleibt ein kleiner Widerspruch. Die Fixierung auf Körperlichkeit und Geschlecht nimmt im Verlauf zu viel Raum ein. Lore denkt, fühlt, erlebt fast nur noch im Verhältnis dazu — als ob es neben dem eigenen Körper und dem der anderen nichts anderes gäbe. Das schränkt den Blick ein, obwohl der Anfang gezeigt hat, wie weit dieser Blick eigentlich hätte sein können.
Ein Buch mit vielen stillen Stärken, das Fragen stellt, ohne sie beantworten zu müssen. Das nicht tröstet, sondern nüchtern zeigt, wie es ist. Und genau darin liegt auch sein Wert.