The Second Death of Locke ist eine düstere Romantasy, die vor allem durch ihr originelles Magiesystem und die intensive Bindung ihrer Hauptfiguren auffällt. Im Zentrum stehen Grey und Kier, ein seit der Kindheit verbundenes Duo aus Quelle und Magier. Diese magische Abhängigkeit verleiht dem Friends-to-Lovers-Duo eine tragische Schwere und macht die Beziehung der beiden zum emotionalen Kern der Geschichte. Besonders Leser:innen, die langsame, schmerzhafte Liebesentwicklungen schätzen, werden hier fündig.
Die Idee des Magiesystems – Magie kann nur über eine zweite Person genutzt werden – ist kreativ und bietet viel erzählerisches Potenzial. Auch das Worldbuilding rund um die Isle of Locke, politische Intrigen und militärische Strukturen ist solide angelegt. Der Mittelteil des Buches ist besonders spannend: Hier greifen Handlung, Action und emotionale Konflikte am besten ineinander, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die Umsetzung nicht durchgehend überzeugt. Das Pacing schwankt deutlich: Während einige Passagen sehr dicht und fesselnd sind, ziehen sich andere durch Wiederholungen, ausufernde Innensichten und Infodumps spürbar in die Länge. Rückblicke und erklärende Einschübe unterbrechen immer wieder den Lesefluss. Auch der Schreibstil wirkt stellenweise nüchtern oder holprig, was es erschwert, eine konstante emotionale Nähe zu den Figuren aufzubauen.
Grey als Protagonistin polarisiert. Ihre innere Zerrissenheit ist nachvollziehbar, schlägt aber teils in Unentschlossenheit und Wiederholung um, was für manche Leser:innen ermüdend wirkt. Die Liebesgeschichte entwickelt sich von einer zarten, glaubwürdigen Nähe hin zu einer sehr starken gegenseitigen Selbstaufopferung, die nicht für alle überzeugend ist. Zudem wird die Magie nicht immer konsequent dargestellt, was insbesondere bei genauem Hinsehen zu logischen Fragen führt.
Das Ende schliesst die Geschichte zwar ab und kommt ohne harten Cliffhanger aus, verliert jedoch durch Länge und rasche Auflösungen an Wirkung. Dramatische Momente werden aufgebaut, nur um kurz darauf wieder entschärft zu werden, was der emotionalen Fallhöhe schadet.
Fazit:
The Second Death of Locke punktet mit einer starken Grundidee, einer düsteren Atmosphäre und einem Magiesystem, das sich klar von Genre-Standards abhebt. Wer eine ernste, kriegsgeprägte Romantasy mit Slow Burn, tragischer Liebe und politischem Hintergrund sucht, wird hier vieles finden, was anspricht. Schwächen in Stil, Pacing und Figurenzeichnung verhindern jedoch, dass das Buch sein volles Potenzial ausschöpft. Als Einzelband gut lesbar, als Reihenauftakt solide – aber kein uneingeschränktes Highlight.