Ich habe Abrakadabra als Rezensionsexemplar über Literary Queens erhalten. Da mir Freakshow bereits gefallen hat und ich düstere Zirkusatmosphären liebe, war für mich klar, dass ich den zweiten Teil unbedingt lesen muss. Und: Es hat sich gelohnt.
Die Bühne wechselt, doch die Schatten folgen. Die Zirkusartistin reist wie immer von Show zu Show, doch diesmal stimmt etwas nicht. In nächtlichen Momenten spürt sie ein unsichtbares Beobachten, ein Heulen, das zu nah klingt, um Einbildung zu sein und immer wieder dieses blitzende Weiß, das aus dem Augenwinkel auftaucht. Und dann ist da dieser unheimlich schöne Mann, der sie in ihren Träumen aufsucht … und dessen Präsenz sich viel realer anfühlt, als sie zugeben möchte. Zwischen einer neuen, riskanten Aufgabe für die Show, einem feurigen Schwertschlucker, der sie mehr reizt als ihr lieb ist, und Connors offener Ermutigung, sich auf ihre Gefühle einzulassen, gerät ihr Herz zunehmend ins Chaos. Doch was im Rampenlicht glitzert, wirft hinter den Kulissen lange Schatten und diese Fahrt hat gerade erst begonnen.
(Achtung: Abrakadabra ist Band 2 der „Harem voller Freaks“-Serie und knüpft direkt an Freakshow an).
Crystal Ash bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil treu: atmosphärisch, düster, ein Hauch surreal und emotional dichter, als man zuerst erwartet. Die Zirkuswelt wirkt noch lebendiger und mystischer, gleichzeitig aber bedrückender. Eine gelungene Balance zwischen Glamour und Gefahr. Die Entwicklung der Protagonistin hat mir besonders gefallen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Freiheit, Verlangen und der Angst vor dem, was sie nachts verfolgt. Dieses innere Schwanken ist nachvollziehbar und verleiht ihr Tiefe. Auch die Dynamiken zwischen ihr, Connor und dem „wunderschönen, blassen Mann“ bekommen mehr Schärfe: mal prickelnd, mal rätselhaft, mal bedrohlich. Was Crystal Ash beherrscht, ist Atmosphäre. Dieses Gefühl, dass etwas Übernatürliches ständig knapp außerhalb des Sichtfelds lauert, ist im ganzen Buch spürbar. Gleichzeitig schafft sie intime Momente, die warm, sexy und emotional greifbar sind. Schwächen gibt es dennoch: Manche Szenen wirken übereilt, und die Übergänge zwischen Zirkusrealität und übernatürlicher Bedrohung sind nicht immer ganz sauber. Die Struktur könnte an manchen Stellen klarer sein, vor allem, wenn es um die größeren Mysterien geht. Aber das ändert nichts daran, dass die Geschichte packt und süchtig macht.
“Abrakadabra” ist eine starke Fortsetzung: düster, intensiv, emotional und voller Zirkusmagie. Die Figuren wachsen, die Spannung steigt, und die Atmosphäre ist so dicht, dass man sie fast riechen kann. Trotz kleiner Schwächen war ich komplett drin und freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.
Von mir gibt es 4,5 / 5 Sterne.