Alexander Rupflin ist Kriminalreporter, er schreibt für die ZEIT und für das Magazin ZEIT Verbrechen. Mit seinem Roman geht er dem Verschwinden von Gabriel nach, der Rio verlässt und zu seiner Schwester Isabella nach Deutschland zieht. Er findet einen Job und fühlt sich wohl in Deutschland. Eines Tages verschwindet er spurlos und die Suche nach ihm beginnt. Zur selben Zeit versucht Fabio, Krankenpfleger, sein Leben unauffällig weiterzuführen und zu vergessen, was in seinem Gästezimmer liegt.
Da ich True-Crime gerne lese oder auch als Podcast höre, habe ich mich natürlich für das Buch von Alexander entschieden. Auf beeindruckende und sehr nahbare Weise rekonstruiert er das Verschwinden von Gabriel. Was geschah in der Zeit vor seinem Verschwinden? Wie lebte er, wie verhielt er sich? Bei seinen Recherchen setzt er sich intensiv mit den Familienangehörigen und auch mit dem Täter auseinander. Er stösst immer wieder auf Episoden, die teils auf unterschiedlichen Versionen beruhen und sich zugleich widersprechen.
Die Geschichte hat mich tief bewegt, zumal ich mir überhaupt nicht vorstellen kann wie es ist, wenn eine geliebte Person spurlos verschwindet. Was macht es mit den Angehörigen? Wie sehr Isabella kämpfen musste, bis die Polizei sich auf die Suche gemacht hat, ist erschreckend und hat mich teilweise sprachlos hinterlassen. Gleichzeitig frage ich mich immer wieder, was im Inneren des Täters vor sich geht. Wie kann man monatelang mit einer Leiche in der Wohnung leben und durchs Leben gehen als wäre nichts passiert?
Alexander erzählt Gabriels Verschwinden auf eine besonders eindringliche und ebenso einfühlsame Weise. Er verbindet seine Recherche mit emotionaler Nähe und zeigt unterschiedliche Perspektiven auf das Verbrechen. Ein Must-read für True-Crime-Fans und ein Buch das mich noch länger beschäftigen wird.