Ostfriesenzorn ist bereits der 15. Band der Ann-Kathrin-Klaasen-Reihe von Klaus-Peter Wolf. Obwohl ich die früheren Bände nicht gelesen habe, fand ich erstaunlich schnell in die Geschichte hinein. Natürlich fehlten mir einige Anspielungen auf frühere Fälle, doch der Autor versteht es, solche Bezüge sorgfältig und verständlich einzuflechten. Dadurch entsteht nie das Gefühl, man würde etwas Wesentliches verpassen. Im Gegenteil, die Hinweise wecken eher die Lust, auch die anderen Bände nachzuholen.
Der Roman entwickelte für mich eine richtige Sogwirkung. Die gut 500 Seiten flogen nur so dahin, und ich hatte das Buch in etwas mehr als zwei Tagen ausgelesen. Besonders fesselnd fand ich die wechselnden Perspektiven: jene von Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, von Dr. Sommerfeld und sogar vom Serienkiller selbst. Diese drei Sichtweisen geben einen tiefen Einblick in die Handlung und die Gefühlswelt der Figuren, ohne dabei zu viel zu verraten. Trotz der vielen Informationen bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten, und das Ende ist alles andere als vorhersehbar.
Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre, die Klaus-Peter Wolf erzeugt. Seine Beschreibungen sind so bildhaft, dass man sich beinahe selbst an den Schauplätzen wähnt: in den rauen Landschaften Ostfrieslands, in kleinen Küstenorten und in den Ermittlungsräumen der Polizei. Zwar kommen einige brutale Morde vor, doch sie werden nie derart detailliert geschildert, dass einem dabei unwohl würde. Vielmehr gelingt es dem Autor, eine Balance zwischen realistischer Spannung und angenehmer Lesbarkeit zu schaffen.
Für mich bietet dieser Krimi alles, was ich an diesem Genre liebe: starke Figuren, Tempo, Atmosphäre und eine Handlung, die bis zum Schluss trägt. Deshalb spreche ich eine klare Leseempfehlung aus. Und eines ist sicher: Es wird nicht mein letzter Roman von Klaus-Peter Wolf gewesen sein. Er hat mich vollständig überzeugt.