Vier Frauen wehren sich mit moralisch fragwürdigen Talenten gegen kapitalistische Ausbeutung und andere Ungerechtigkeiten. Das liest sich unterhaltsam, humorvoll, schlagfertig, teils rasant und bei aller Leichtigkeit zugleich sehr kritisch. Gerade die Ausgewogenheit von thematischer Relevanz und literarischer Leichtigkeit hat mir an Julia Bährs Roman so gut gefallen. Ebenso die sympathischen Figuren, allen voran Ich-Erzählerin Leonie, Anfang 30, die sich bei Krisen regelmässig zurück in ihrem Kinderzimmer vorfindet. Ihre Freundschaften (zu Männern und Frauen) sind ehrlich, halten Unstimmigkeiten und Missverständnisse aus.
Zwischenzeitlich verliert der Roman etwas an Schwung (findet ihn aber wieder) und das Ende kam für mich leicht abrupt, daher ging mir persönlich auch die Pointe ihrer letzten Aktion leicht unter. Die Lektüre hat mich an Mareike Fallwickls «Die Wut, die bleibt» erinnert, nur dass die Frauen hier weniger Wut verspüren und es nicht auf Männer vs. Frauen hinausläuft, was mir enorm gut gefallen hat.
«Hustle» ist ein frecher Roman insbesondere für junge Frauen, der unser Wirtschaftssystem hinterfragt, der uns zeigt, wie bereichernd Freundschaften sein können und der uns zugleich bestens unterhält.