Annette Bjergfeldts Ich-Erzählerin, Carmelita bzw. Lita, hat mich von Beginn an begeistert. Sie erzählt rückblickend die Lebensgeschichte von ihrer Mutter und sich. Obwohl selbst zum Zeitpunkt der Erzählung längst erwachsen, versetzt sie sich in ihr kindliches Ich hinein – und das ist zauberhaft, traumtänzerisch und oft enorm komisch. Noch einmal die Welt mit Kinderaugen sehen, voll Unschuld auf Weltereignisse und Erwachsene blicken, dies gelingt Bjergfeldts Erzählerin. Wir erleben mit ihr das Buenos Aires des anfänglichen 20. Jahrhundert, bevor es das Mutter-Tochter-Gespann und uns 1937 nach Upper Puffin Island in Kanada. Ihre Mutter möchte so schnell es geht weiter, doch Lita verliebt sich in den Ort, die Landschaft und die warmherzigen Menschen (nett sind dabei längst nicht alle). Dort lernt sie nach längerem Warten auch Mr. Saito und sein Wanderkino kennen. Wir machen somit nicht nur eine Reise durch die Weltgeschichte, sondern auch durch die des Kinos. Wir lernen mehr über die Entstehung und die Meilensteine des Films, was ich ungemein faszinierend fand. Ebenso wie die Passagen, in denen Litas Mutter, Fabiola, die Welt erkundet: sie schaut dabei fast ausschliesslich auf die Schuhe der Menschen. So viel Wertschätzung habe ich meinen Tretern noch nie entgegengebracht, fürchte ich. Zudem ist sie leidenschaftliche Tango-Tänzerin.
Es sind die vielen liebevollen, stimmigen Details, die diese Lektüre wohltuend und magisch werden lassen, vielleicht auch ein bisschen kitschig, aber das darf so sein.
Aus dem Dänischen von Dagmar Missfeldt.