Für mich das schwächste Buch, dass ich von White gelesen habe. Ich habe wie bei den beiden Vorgängern einen Horror-Roman erwartet. Das war nicht der Fall. Es ist ein Thriller.
Einige interessante Themen werden in diesem Buch aufgegriffen. Es stellt die Frage nach einer gerechteren Kapitalverteilung. Protagonist Miles ist Sozialist und sieht auch immer wieder, dass die Taten gegen ihn auf soziale Ungerechtigkeit zurückzuführen sind. Sein Ur-Urgrossvater kam bei einem Minenstreik ums Leben und dieses Vermächtnis sitzt ganz tief in Miles Grundverständnis der Welt.
Daher überrascht es wenig, wie politisch das Buch ist. Es spielt im konservativen West Virginia und Miles ist als trans*Man und Sozialist ein Aussenseiter. Dennoch hatte ich oft das Gefühl, dass seine Umwelt weit besser auf sein Coming-Out reagiert hat als manche liberal eingestellte Familie.
Ich mochte den Plot, doch leider drängt sich die Gender-Debatte für mich zu sehr in den Vordergrund. Teilweise liest es sich wie ein aufklärungs-Buch, indem ganz klar ausformuliert wird, wer welches Gender und welche romantischen Präferenzen hat. Ja, es ist nicht dasselbe. Aber wer sich für queere Literatur interessiert und dieses Buch in die Hand nimmt, kennt zumindest die Grundlagen grob schon.
Leider mag ich die Selbstgerechtigkeit des Ich-Erzählers Miles nicht. Er sieht sich zu oft als Opfer, während er andere für ähnliches Verhalten verurteilt.
Da White eine sehr distinkte Stimme als trans*Autor mit Autismus-Repräsentation hat, empfehle ich eher seine vorherigen Bücher Hell Followed With Us oder The Spirit Bares Its Theeth zu lesen.