Auf knapp 200 Seiten fasst die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann so ziemlich viel zusammen, was in der Sphäre einer der ‘schönsten Nebensachen der Welt’ falsch läuft. Wieso sollte es in der Musikindustrie anders laufen, als sonst auf der Welt? Anhand Beispielen aus der Musikbranche der Popkultur deckt sie Messaliancen von Gewalt in Popsongs auf. Musik aus dem Äther transportiert einen Teppich voller Subtext aus Gewaltandrohungen - und Taten, Inzest(phantasien) und Missbrauch; wir hören die Songs, singen sie mit, lernen sie in der Schule (!) -völlig unreflektiert und haben oft keinen Schimmer - oder etwa doch? Durch die Reproduktion und Allgegenwärtigkeit werden die Schauergeschichten zur akzeptierten Normalität. Leider.
In 9 Kapiteln beleuchtet die Autorin Sonja Eismann die Mechanismen der Popkultur und insbesondere die Rolle junger Frauen darin scharf und zugleich einfühlsam. Die Lektüre ist oft erschreckend und tragisch, weil sie zeigt, wie stark Sexualisierung, Erwartungsdruck und Vermarktung weiblicher Identität verwoben sind. Eismann gelingt es, theoretische Perspektiven und konkrete Beispiele anschaulich miteinander zu verbinden, sodass die Analyse lebendig bleibt. Eine Ergänzung in Form von QR-Codes oder einer begleitenden Playlist zu den genannten Songs und Musikvideos hätte den Zugang zur ästhetischen und emotionalen Dimension des Materials noch vertieft. Insgesamt ein starkes, unbedingt lesenswertes Buch.