Wider dem Klappentext: (K)ein poetischer Roman! Ein Mix aus Hommage an die Lyrikerin Mascha Kaleko und eine Jugend unter Punkern, ohne familiären Rückhalt. Vor dem geistigen Auge rollt ein Film ab aus den 1990ern, wo die Jugend mit Irokesenschnitt, Leder-Outfits und Pierchings schockte.
Die Erzählerin springt von der behüteten Kindheit, wo sie von der Mutter geliebt wurde, ins kalte grosse Kinderheim, auf die (verhassten) Strassen Kölns, wo sie sich als 13- oder 14jährige unter Punks eine neue Heimat, Familie sucht; sie schnorrt (bettelt) Leute an für Drogen oder Alkohol. Sie macht recht früh Erfahrungen mit Sex, findet Männer widerlich, was die mit ihr tun, nachdem sie sie betäuben. Zwischendurch tauchen auch ihre Grosseltern und ihr Hippie-Vater auf, den sie unter einem Baum begraben lässt.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Gedicht von der Mascha Kaleko. Mit der letzten Zeile, Absatz oder Wort wird die Geschichte der Erzählerin fortgesetzt. Zeitweise denkt man, es nähme kein gutes Ende. Hin und wieder wird Neid (auf ihre Schulfreundinnen) und Wunsch nach grossen Wohnzimmer spürbar, die Parabel fürs “Ankommen”, das “Erreichen des Ziels”, nach “Normalität”. Am Ende schafft sie es, beendet sogar die Schule mit dem Abitur, geht studieren, lernt ihren Mann fürs Leben kennen. Der Wermutstropfen: ihm und ihr läuft die Zeit davon, weil er eine Krebsdiagnose bekommt.
Der Inhalt wirkt wie ein Zickzackkurs eines Feldhasen, der Hacken schlägt, um seinen Verfolgern zu entkommen, aber immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt. Vergleich zwischen der Biografie der Lyrikerin und der Protagonistin könnte nicht grösser sein und dennoch scheinen sie sich zu verstehen, sind die Parallelen, die Schicksalsschläge da. Beide sind entwurzelt, werden/wurden enttäuscht, hatten oder haben die Kraft weiterzumachen.
Das Buch zieht den Leser hinunter, macht ihn depressiv, sodass er manchmal gar nicht mehr weiterlesen will. Für jüngere Leser mag es interessant sein, zu erleben, wie die Jugend in den 1990ern lebte, aber sonst?