Um es vorwegzunehmen: Ich lese keine Thriller. Kann also keinen Vergleich anstellen. Und auch nach Asa habe ich keine Lust, weitere Thriller zu lesen. Nicht dass ich das nie mehr tun würde. Man will ja offen bleiben.
Weshalb also Asa lesen? Einerseits habe ich ein paar Rezensionen überflogen, die mich neugierig machten, andererseits zog mich das kühle (um nicht zu sagen “coole”) Cover an – ich lasse mich sonst nicht stark vom Cover leiten, auch hier eine Ausnahme. Oder aber Einbildung. Egal.
Die fünf Sterne kommen also nicht daher, dass Asa ein besonders guter Thriller wäre. Ich war einfach nur von Anfang bis Ende begeistert, gebannt. Vom ersten Kapitel an.
Die Geschichte wird sowohl aus verschiedenen Perspektiven als auch auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Das könnte die Lesenden verwirren, könnte schief gehen, Spannungsbögen vereiteln, sich verzetteln. Tut es aber nicht. Drvenkar hat sich m.E. ganz genau überlegt, wie er die Geschichte aufzubauen hatte. Natürlich frustriert es manchmal, dass der aktuelle Erzählstrang für längere Zeit unterbrochen wird, doch jeder einzelne Strang für sich ist dermassen stark, dass man nach nur einer Seite wieder voll dabei ist. Die verschiedenen Ebenen informieren sich auch gegenseitig, bereichern sich.
Perspektivisch bzw. erzähltechnisch wendet Drvenkar zuweilen auch die selten verwendete Du-Form an. Das bringt mich als Leser noch näher an die Figur heran und jagte mir besonders später immer und immer wieder einen Schauer über den Rücken.
Apropos Figuren. Schnell wird man merken, dass man sich nicht zu sehr auf die Figuren einlassen sollte – denn nur allzu schnell sind sie von der Bildfläche verschwunden. Was bei einem Rachethriller nicht verwundern sollte. Trotzdem imponiert mir die Konsequenz Drvenkars wie auch die dahinterstehende Logik; das hat Plotrelevanz, keine unnötige Show oder Gewaltverherrlichung.
Habe ich gesagt, man solle sich nicht zu sehr auf die Figuren einlassen? Schwierig, wenn jede einzelne so gut getroffen ist.
Doch was mir am meisten imponierte, war, dass man die Motive der Antagonisten so gut nachvollziehen konnte. Nicht dass sie ihren Status damit verloren; die “Tradition” ist durch und durch grausam und auch Asas Rachefeldzug wird mehr als verständlich dargelegt.
Thriller EnthusiastInnen fehlt vielleicht der Nervenkitzel. Die Spannung entsteht mehr aus der Frage des “Wie” und daher, dass sich langsam ein komplettes und komplexes Bild ergibt. Und glücklicherweise ist nicht alles so vorhersehbar, wie man annehmen könnte.