Sommer 1846: Es ist schwer, mit der Landwirtschaft eine Familie zu ernähren, insbesondere da die Kartoffelfäule die Ernte drastisch schmälerte. Die Familie musste zusätzlich zu der schweren Arbeit auf dem Hof noch Heimarbeit annehmen, so auch Anna, die gerade die Schule beendet hatte. Ihre Tante Sophie, die als Hausmutter in der Diakonissenanstalt Kaiserswerth lebt, holt Anna zu sich, um ihr eine Ausbildung zu ermöglichen. Im Waisenhaus wird eine neue Tradition eingeführt: der Adventsbaum. Jeden Tag werden biblische Verheissungen auswendig gelernt und auf Papiersterne geschrieben. Ein Stern wird sodann an den Baum gehängt und eine Kerze angezündet. Jeden Abend ein bisschen mehr Licht…
Erster Eindruck: Das Cover mit der jungen Frau und den einfach gekleideten Kindern rund um einen mit Papiersternen geschmückten Tannenbaum gefällt mir sehr gut.
Anna fühlt sich bei ihren Eltern nicht wohl. Es ist kein Zuhause. Es war nur ein Haus, aus dem Lachen und Liebe schon längst verschwunden sind. Verschwunden ist auch Paul, ihr Liebster. Ihr Vater hat ihn fortgejagt. Das Angebot ihrer Tante Sophie kommt gerade recht, denn schlimmer kann die Situation nicht mehr werden.
Diakonissen sind angesehene Frauen. Anna ist gleich eingeschüchtert von ihnen: Wie leicht ihnen die Arbeit von der Hand geht, wie gut sie die Bibel verstehen, wie liebevoll der Umgang mit den Waisenkindern ist. Sie kann das alles nicht. Und ausgerechnet sie soll nun dafür sorgen, dass die kleinen Kinder täglich eine Verheissung auswendig lernen – vorab muss sie den Kindern jedoch die Bibelstelle stufengerecht erzählen können. Wie soll sie das schaffen?
„Sie war gar kein Stiefkind Gottes. Er hatte einen Platz für sie vorbereitet, den sie – gerade sie – ausfüllen konnte.“
Da ich bereits den biografischen Roman „Im Dienst der Hoffnung: Friederike Fliedner“ gelesen habe, waren mir die Diakonissenanstalt und ihre Gründer, Theodor und Friederike Fliedner, nicht unbekannt. Im vorliegenden Buch ist seine erste Frau bereits verstorben und seine zweite Frau Caroline hat die Leitung des Werks übernommen. Das Buch basiert auf historischen Begebenheiten und wurde mit schriftstellerischer Freiheit um Personen ergänzt. Interessant waren die Hintergründe, die am Ende erläutert wurden, wie z.B. Theodor Fliedner, die Erfindung des Adventsbaumes oder auch das Auswendiglernen von Verheissungen. Am besten gefallen hat mir, dass vom Adventsbaum mit jedem Tag ein bisschen mehr Licht erstrahlte – 3 Sterne.