Es dauerte einen Augenblick, um mich im zweiten Teil von Francesca Segals Tuga-Trilogie wieder zurechtzufinden, aber dann war ich wie schon beim ersten Band gedanklich auf Reisen, weit, weit weg vom Alltag und stattdessen auf der tropisch-karibischen Insel Tuga de Oro.
Dessen verschrobenen, herzlichen, hilfsbereiten, genügsamen Bewohner*innen haben mich erneut zum Schmunzeln gebracht. Ich kann nicht behaupten, dass viel passieren täte in Segals Geschichte um die britische Schildkrötenexpertin und Tierärztin Charlotte Walker, die auf der Suche nach ihren Wurzeln und im verzweifelten Versuch, sich mithilfe der räumlichen Distanz von ihrer dominanten Mutter zu emanzipieren, vor über einem Jahr nach Tuga gereist ist. (Zu ihren Wurzeln weiss sie seit Band eins mehr; was ihre Mutter angeht, so steht diese in «Entscheidungen auf Tuga» im Mittelpunkt). Es ist auch keine literarisch anspruchsvolle oder herausragende Lektüre. Ebenso wenig möchte Segal mit dem alternativen Tuga, das aufgrund seiner Abgeschiedenheit so aus der Zeit gefallen ist, Kritik an unserem Alltag üben.
Für mich ist die Lektüre einfach eine Pause vom Alltag, ein literarischer Urlaub, ein Verschnaufen, Tagträumen, Erholen an der Grenze zum Kitsch.
Aus dem Englischen von Verena Kilchling.