Katabasis von R. F. Kuang fordert einem beim Lesen einiges ab, trumpft aber mit einer gelungenen Kombination von origineller Idee, philosophischen Ausführungen und historischem Hintergrund auf. Man muss selber nicht Akademiker sein um zu verstehen, dass ein Abhängigkeitsverhältnis wie dasjenigen von Doktorand/in und Professor zu Spannungen führen kann. Wenn das dann noch mit Magie gemischt wird und nach dem gewaltsamen Todes des Professors in die Hölle führt, kommt Spannung auf, auch wenn das umfangreiche Buch zuweilen etwas langfädig ist.
Durch den schnörkellosen Einstieg war ich sofort im Buch drin und habe es in wenigen Etappen durchgelesen. Welche Landschaften und Ereignisse begegnen die beiden Hauptfiguren? Oder ist die ganze Reise nur ein Produkt der eigenen Phantasie beziehungsweise ein Spiegel des eigenen Gewissens? Wie würde sich die Hölle für einen selbst präsentieren, hätte man den Mut und Anlass genug um dorthin zu reisen? Mich regte das Buch an, nicht nur der Handlung folgen zu wollen, sondern auch über das eigene Dasein nachzudenken und mir auszumalen, was ich auf so einer Reise wohl erleben würde.
Durch Rückblicke lernt man die Protagonisten besser kennen. Das hat stilistisch Abwechslung in die Geschichte gebracht, die Komplexität des Ganzen wurde dadurch allerdings nicht gerade reduziert… Ob das spezielle Verhältnis der beiden Hauptfiguren so wirklich notwendig war, sei mal dahingestellt, geschadet hat es dem Buch aber sicher nicht.
Alles in allem ist Katabasis für mich ein spannendes Buch, das fordert und eine gewisse Konzentration verlangt, aber anregt und einen den Alltag vergessen lassen kann.