Trugbild der Schatten (Aedon-Vohrn-Reihe, Band 1)
Endlich mal wieder ein Fantasy-Buch, bei dem man merkt: Der Autor hat sich echt ins Zeug gelegt. Wer auf epische Lore, Götter, vergessene Völker und eine dunkle, dreckige Atmosphäre steht, wird hier definitiv abgeholt.
Was mir gefallen hat (Pro):
Der Weltenbau (Lore-Overkill, aber gut!): Das Buch startet mit einer Einführung in die Welt Aedon-Vohrn, die so detailliert ist, dass man meint, ein Geschichtsbuch in der Hand zu halten. Von den mysteriösen Chiani bis zu den Zwergen (Kharam-Kun) und den Göttern Hypron (Chaos) und Warnas (Schmied) – diese Welt fühlt sich alt und tiefgründig an. Das Yar’thal (ein Chaos-Nebel-Meer) ist ein mega originelles Element!
Die Charaktere: Der Autor wirft uns direkt in zwei krasse Handlungsstränge. Da ist Etaila, die Söldnerin, die von ihren Albträumen geplagt wird und mit knurrendem Magen Bierfässer eskortiert. Sie ist bodenständig, hart und ein genialer Low-Fantasy-Kontrast zur epischen Welt. Der zweite Protagonist, der Magusketzer, muss in einer düsteren Verfolgungsjagd vor der Silbernen Garde fliehen. Diese Kontraste machen süchtig!
Die Atmosphäre: Grimdark und rau. In dieser Welt wird man wegen Magie ohne Zögern gejagt und gehängt, und die Helden kämpfen mit billigen Schwertern und schäbigen Unterkünften. Das ist keine glitzernde High-Fantasy, sondern authentisch düster.
Was man wissen sollte (Contra):
Der Einstieg ist zäh: Die Worldbuilding-Abhandlung am Anfang ist zwar faszinierend, aber als Prolog etwas langatmig. Ich musste mich zwingen, diese vielen Namen und Völker aufzunehmen, bevor die eigentliche Geschichte mit Etaila losging. Hier bitte nicht entmutigen lassen – es lohnt sich, durchzuhalten!
Sprachliche Details: Der Text ist an manchen Stellen noch etwas holprig und hätte eine finale, gründliche Überarbeitung vertragen können, um den Lesefluss noch geschmeidiger zu machen.
Fazit:
Ein großartiger Auftakt für Fans, die nach einer komplexen Welt jenseits der üblichen Klischees suchen und eine düstere, actiongeladene Story mit vielschichtigen Anti-Helden mögen. Wenn man einmal in Aedon-Vohrn drin ist, lässt es einen nicht mehr los. Ich bin total gespannt, wie Etaila und der verfolgte Ketzer im Zeitalter der “arkanen Renaissance” zusammenfinden.
Klare Leseempfehlung! Aber nehmt euch Zeit für die ersten 50 Seiten.