Elise wächst in einer gesellschaftlich anerkannten Familie in Wien auf. Für ihre Mutter ist sie unscheinbar. Denn diese ist vernarrt in den einzigen Sohn Wolfi und die körperlich beeinträchtigte Tochter Adèle. Als Wolfi auf tragische Weise stirbt, macht die Mutter ihr Leben lang Elise Vorwürfe dafür. Trost und Halt findet sie bei ihrem Grossvater, welcher sie auch in die Kunst der Edelsteine einführt. Mit ihm kann sie sich unterhalten und erhält Ratschläge und Weisheiten, welche ihr im späteren Leben zu nutze kommen. Elise ist Anfang 20 als die Nationalsozialisten in Österreich an die Macht kommen. Ihr Leben ändert sich fort an, denn Elise ist Jüdin. Zusammen mit ihrem Mann plant sie die Flucht. Am Liebsten würde sie auch ihre Mutter und die Schwester zur Flucht überreden, doch beide wollen in Wien bleiben, in der Hoffnung, dass alles bald wieder besser wird. Als Elises Mann kurz vor der Flucht ebenfalls auf tragische Weise stirbt, muss sie die Flucht in die Schweiz alleine antreten. Als Emigrantin darf Elise keiner Arbeit nachgehen, muss aber trotzdem finanzielle Mittel nachweisen können um nicht Ausgeschafft zu werden, erst recht als sie ihre Mutter und die Schwester doch noch zur Flucht überreden kann. In ihr reift die Idee, dass sie in der Schweiz jene bestehlen kann, welche ihr alles genommen haben. Denn die Schweiz ist eine Hochburg für Nationalsozialisten, welche in den Kurorten in der ganzen Schweiz absteigen.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten. Die Figuren und ihre Charaktereigenschaften sind bildhaft beschrieben. Während man die Mutter mehrmals für ihre Unverschämtheiten ohrfeigen möchte, möchte man Elise am liebsten in die Arme nehmen und ihr Mut zusprechen, dass alles wieder gut wird. Der Schreibstil ist klar, bodenständig, nicht romantisiert und fesselnd. Sätze wie: “Dumm wie Stroh aber trägt eine Uniform.” oder “Moral zählt nicht mehr, nur noch das Überleben.” zeigen klar auf, was für Menschen die Nationalsozialisten damals schon waren und heute noch sind (ja sie existieren noch, auch wenn man sie anders nennt). Mich hat es erschrocken zu erfahren, was für eine Hochburg die Schweiz für die Nationalsozialisten war. Denn dieser Punkt wurde im Geschichtsunterricht nie besprochen. Ich finde, hier hätte die Schweiz noch einiges aufzuarbeiten. Aber sei es drum.
Ich kann das Buch absolut empfehlen.