„Asa“ ist für mich kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Mit seinen knapp 700 Seiten war es für mich ein echtes Leseprojekt – ein schwerer Brocken, und das nicht nur vom Umfang her. Drvenkar erzählt eine Geschichte, die mich gleichzeitig fasziniert, herausfordert und am Ende auch ziemlich aufgewühlt zurückgelassen hat.
Von Anfang an war mir klar: Dieses Buch verlangt volle Aufmerksamkeit. Die vielen Zeitsprünge, die wechselnden Perspektiven und die dichte, oft bedrückende Atmosphäre machen es nicht gerade einfach, den Überblick zu behalten. Mehr als einmal musste ich zurückblättern, um Personen und Zusammenhänge richtig einzuordnen. Aber je tiefer ich in die Geschichte eingetaucht bin, desto mehr hat sie mich gepackt.
Asa als Hauptfigur ist dabei alles andere als eine klassische Heldin. Sie ist voller Wut, Schmerz und Zerrissenheit – und gleichzeitig eine unglaublich starke Frau. Verraten von ihrer Familie, kämpft sie ums Überleben und für ihre Rache. Diese Härte, gepaart mit ihrer Verletzlichkeit, hat mich sehr beeindruckt. Ihre Entwicklung mitzuerleben war intensiv, manchmal schwer zu ertragen, aber gerade deshalb so eindringlich.
Besonders beschäftigt hat mich die Frage: Warum setzt man Kinder bewusst so brutalen Prüfungen aus? Beim Lesen musste ich an die sogenannten „Wolfskinder“ denken – Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg elternlos durch die Wälder zogen, immer auf der Suche nach Nahrung und Schutz. Natürlich ist Asas Situation eine andere, aber die Traumatisierung, die Verlorenheit und das Ausgeliefertsein wirkten für mich vergleichbar. Diese Assoziation hat das Buch für mich noch bedrückender gemacht.
„Asa“ hat mich oft an meine Grenzen gebracht – die Brutalität, die Grausamkeiten, die Dunkelheit dieser Geschichte sind nichts für schwache Nerven. Und doch: Es hat mich nicht losgelassen. Auch wenn ich emotional manchmal auf Distanz geblieben bin, habe ich gespürt, wie viel Tiefe und Kraft in diesem Roman steckt. Er hat mich berührt, aufgewühlt und vor allem zum Nachdenken gebracht.
Mein Fazit: „Asa“ ist kein leichter, schneller Lesestoff, sondern ein intensives, düsteres und sehr emotionales Werk. Es polarisiert, es fordert heraus, und genau das macht es für mich zu einem besonderen Leseerlebnis. Ich bin froh, dass ich es in der Leserunde gelesen habe – und weiss jetzt schon: Von Drvenkar möchte ich unbedingt noch mehr entdecken.