Das Buch konnte mich vom Klappentext her direkt packen. Die Idee mit der Welt voller Monster bietet viele Möglichkeiten und die Dicke des Buches versprach dann auch relativ viel.
Für den Weltenaufbau wurde diese grosse Seitenzahl auch wirklich gut ausgenutzt. Man bekommt bei jeder neuen Stadt neue Details zu sehen und auch die Mythen, die in dieser Welt herrschen bilden spannende Grundlagen (ich mochte die Geschichte der Zwillingsmonde beispielsweise sehr). Dennoch habe ich das Gefühl, dass man alles auf wesentlich weniger Seiten packen könnte, denn im Gesamten passiert nicht viel.
Das Buch bildet am Anfang mit der Hochzeit ein rasantes Tempo und eine wirklich starke Grundlage auf. Dann jedoch verlangsamt sich alles extrem, zu dem Punkt, dass man bereits auf dem Schiff mehrere Kapitel verbringt und man nicht allzu viel. Man könnte meinen, zumindest die Figuren würden etwas mehr Aufbau in dieser Zeit bekommen, wenn sie auf engstem Raum über gefühlte Monate zusammen sind, aber das passiert nicht.
Irgendwie habe ich mir auch generell einfach etwas anderes erwartet. Das Buch ist über 700 Seiten lang und nach dem schnellen Start zieht es sich einfach extrem. Odessa ist eine neue Prinzessin für das Land und gleichzeitig die Sparrow, aber seitdem die Reise begonnen hat, hat sie nicht einmal diese Rolle eingenommen. Sie wurde nicht dem Volk präsentiert, sie kennt die neuen Regeln ist und man weiss als Leser bis zum Ende nicht, was genau eine Sparrow alles ausmacht. Das Odessa eine Prinzessin ist, spielt für die Geschichte absolut keine Rolle. Sie hätte genauso gut eine Kriegerin sein können, die auf Mission geschickt wurde. Das würde das Herumwandern von Ort zu Ort besser erklären, denn das ist alles, was sie macht. Sie sieht und tut zwar interessante Dinge an den jeweiligen Orten, aber niemals als Prinzessin. Sie ist eine von den Leuten und dass sie eine für das Land historisch sehr relevante Rolle annehmen sollte, wird nicht einmal zum Punkt gebracht, obwohl genau das zu Beginn ihre Befürchtungen waren. Sie wurde nie darauf vorbereitet, Sparrow zu sein, aber sie brauchte die Vorbereitung ja nicht mal. Sie weiss ja nicht mal, was die Rolle beinhalten soll und man weiss es wohl auch allgemein nicht, ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie die Autorin selbst 700 Seiten lang nicht einmal eine offizielle Erklärung gibt.
Ich finde es auch schade, was aus den Figuren generell gemacht wurde. Das Buch ist so dick und doch wechselt sie mit Zavier gerade mal gefühlte zehn Sätze. Es gibt zwar eine interessante Begründung für seine Abwesenheit, die mit einer guten Wendung verknüpft wurde, aber dennoch passiert kaum was, was die Dynamik der Figuren angeht (denn selbst mit der Begründung hätte sie mit Zavier mehr Zeit verbringen können, damit auch der Leser überhaupt etwas mehr als seinen Namen erfahren hätte), eben auch, weil man mit dieser Dynamik auch auf Odessas Rolle als Prinzessin hätte eingehen müssen, was ja leider so gar nicht ausgebaut wurde. Ich bin normalerweise kein Fan von einem zu tiefgründigen Figurenaufbau, aber wenn selbst ich das Gefühl habe, dass alles flachbleibt, dann sind die Figuren auch wirklich nur sehr eindimensional.
An sich gibt es unglaublich viel Gutes am Buch, auch aus der Tatsache, dass man trotz der langatmigen Geschichte noch immer schnell hindurchkommt, weil der Schreibstil auf der leichten Seite bleibt. Auch der Weltenaufbau ist wirklich grossartig und einige der Wendungen, auch in Bezug auf die Monster sind gut umgesetzt. Aber es ist im Gesamten nichts, was nicht auch bestens auf 300 Seiten gepasst hat. Viele Szenen hätte man streichen können, denn sie bringen nichts, zumindest nichts, was mit dem eigentlichen Ziel der Geschichte einhergehen sollte. Man erfährt einiges, was sicherlich wichtig ist, aber für so viele Seiten bekommt man eben doch nichts, besonders wenn es um Odessa geht.
Ich bin daher momentan gespalten, wie ich über die Reihe denken soll. Wenn Band zwei nochmals so dick wird mit keiner Garantie auf klare Antworten, Figurenaufbaue oder Rollenverteilungen, dann habe ich absolut keine Lust, weiterzulesen. Auch wenn viele Ideen klasse sind, so habe ich genügend andere Bücher auf dem SuB, die ich wohl lieber lesen würde, als mich nochmals auf eine solch langatmige Geschichte einzulassen. Von mir gibt es daher drei Sterne für das Buch.