Die elfjährige Leticia lebt in einem spanischen Städtchen anfangs des 20. Jahrhunderts bei ihrer Tante. Bei Dona Luisa im Haus von Don Daniel, dem Stadtarchivar, soll sie Musikstunden nehmen und Unterricht in Literatur. Bald spielen sich zwischen den Zeilen unheimliche Spiele ab, die Leticia verunsichern und herausfordern. Hellsichtig wie sie ist, versteht sie auch die Absichten der schweigenden Figuren, Tanten, Onkel und wird dadurch oft verwirrt und flüchtet sich in Phantasiewelten. Der Abschied von der Kindheit hinein in eine unverständliche Erwachsenenwelt wird konsequent aus der Sicht der Elfjährigen beschrieben, sehr genau mit äusserst präziser Beobachtungsgabe. Unausgesprochen schimmert viel Hintergründiges und Beängstigendes durch, das von Leticia wahrgenommen und reflektiert wird.
«Sollte es das sein, was die Leute Unschuld nennen? Wie widerlich! Ich werde nie müde werden zu sagen, wie widerlich diese Krankheit Kindheit ist. Man kämpft darum, aus ihr herauszukommen wie aus einem Albtraum, und es gelingt einem nur, einige schlafwandlerische Bewegungen zu machen, bevor man wieder in die Benommenheit zurücksinkt» (179).
«Wer könnte abstreiten, dass ich alles fühlte, was in Luisa vor sich ging, als befände ich mich in ihr?» (188).
«Ich glaube manchmal in die Seelen der anderen eindringen, mich mit ihnen identifizieren, vereinigen zu können» (197).
Das Buch erschien 1946 und zeichnet eine spannende Innensicht des spanischen Bürgertums.