Normalerweise greife ich bei asiatischer Literatur eher zu den Wohlfühlromanen und eines haben sie fast immer gemeinsam: eine tiefere Botschaft. Bei diesem Buch habe ich den Klappentext nur kurz überflogen, vielmehr war es das Cover, das mich sofort angesprochen hat. Und so fand ich mich plötzlich in einer Geschichte wieder, die mich sehr berührt und nicht mehr losgelassen hat.
Jiwon trauert seit sieben Jahren um ihre Mutter. Schuldgefühle nagen an ihr und bestimmen ihr Leben. Als sich ihr in der geheimnisvollen Buchhandlung der Erinnerungen die Möglichkeit bietet, dreimal in die Vergangenheit zu reisen, zögert sie nicht.
Die Protagonistin ist eine zutiefst gebrochene Frau und Yu-Jeong Song gelingt es meisterhaft, diese Trauer und innere Zerrissenheit greifbar zu machen. Ich habe mit Jiwon gelitten, mitgefühlt und mich ihr auf eine stille Weise verbunden gefühlt.
Die Geschichte selbst ist poetisch und voller leiser Zwischentöne. Die Sprache ist anspruchsvoll, man muss sich wirklich darauf einlassen, doch gerade dadurch entfaltet sie ihre besondere Schönheit. Natürlich sollte man offen dafür sein, dass es sich um eine fantasievolle Erzählung handelt, doch die Botschaft dahinter ist zutiefst menschlich.
Dieses Buch erzählt von Verlust, Trauer und Liebe auf eine ergreifende und zugleich hoffnungsvolle Weise. Für mich war es eine intensive Leseerfahrung, die ich von Herzen weiterempfehlen möchte.