„Eine aussergewöhnliche Geschichte über Freundschaft und Krankheit“ – so lässt sich Paula Fürstenbergs Werk wohl am treffendsten beschreiben. Besonders lobenswert finde ich, dass die Autorin es wagt, die Freundschaft ins Zentrum ihres Romans zu stellen. Während in der Literatur meist Liebesbeziehungen im Vordergrund stehen, widmet Fürstenberg ihre Aufmerksamkeit einer Bindung, die zwar genauso tiefgreifend sein kann, aber oft schwerer in Worte zu fassen ist. Die Aussage des Buches, dass Freundschaft sich literarisch schwerer greifen lässt als Liebe, empfinde ich als absolut wahr. Gerade deshalb sind Werke wie dieses so wichtig: Sie rücken ein Thema ins Licht, das in seiner Bedeutung häufig unterschätzt wird.
Besonders auffällig ist das gewählte Stilmittel: Die Geschichte wird in Listenform erzählt. Die Protagonistin selbst versucht, ein Buch zu schreiben, und hält ihre Gedanken, Erinnerungen und Erlebnisse in Form von Listen fest. Dieses erzählerische Experiment fand ich spannend und originell, da es eine ganz eigene Dynamik entfaltet. Dennoch muss ich gestehen, dass mir manche Einträge zu langatmig erschienen. Kürzere, pointiertere Abschnitte hätten dem Lesefluss meiner Meinung nach gutgetan und die Wirkung der Listenform noch stärker hervorgehoben.
Das Buch wurde mir empfohlen, entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Leider wurden diese nicht ganz erfüllt. Obwohl ich das Thema grundsätzlich sehr interessant finde, konnte mich die Geschichte emotional nicht richtig mitreissen. Woran genau das lag, kann ich gar nicht eindeutig sagen. Vielleicht war es der Aspekt der Krankheit, der für mich etwas zu stark in den Vordergrund rückte. Der Umgang mit Suizid, Depression und den damit verbundenen Schicksalen ist zweifellos wichtig, für mich persönlich war er jedoch stellenweise zu erdrückend. Das führte dazu, dass sich das Lesen in die Länge zog, auch wenn ich gleichzeitig wissen wollte, wie es endet. Ich hoffte bis zum Schluss, dass der Funke noch überspringt, leider vergeblich.
Trotz dieser Kritik möchte ich das Buch nicht grundsätzlich schlechtreden. Für Leserinnen und Leser, die sich auf eine ungewöhnliche Erzählform einlassen möchten, kann es durchaus eine bereichernde Erfahrung sein. Zudem ist es eine würdige Hommage an die Kraft der Freundschaft, die aufzeigt, dass Beziehungen jenseits der romantischen Liebe mindestens genauso komplex, verletzlich und wertvoll sind. Allerdings sollte man wissen, dass es sich nicht um leichte Kost handelt. Wer sich darauf einlässt, sollte bereit sein, sich mit schweren, aber wichtigen Themen auseinanderzusetzen.