Schonungslos, ungeschönt und aktuell – so lässt sich “Fun” von Bela B Felsenheimer beschreiben. Der Roman setzt sich intensiv mit dem Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen auseinander, einem Thema, das leider auch heute nichts von seiner Brisanz verloren hat. Seien es Popstars, Chefs oder toxische Boyfriends, Felsenheimer erzählt keine distanzierte Geschichten, sondern konfrontiert Leser*innen direkt mit der Ohnmacht, die Frauen in solchen Situationen empfinden, und lässt dabei die Verletzlichkeit und Verzweiflung deutlich spürbar werden.
Die Atmosphäre ist oftmals beklemmend und packend zugleich. Gerade diese Enge, dieses Unbehagen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und sorgt dafür, dass man auch scheinbar harmlose Situationen mit einem Kloss im Hals liest. Der Stil ist schnörkellos und direkt, manchmal rau, aber immer auf den Punkt gebracht – und passt damit hervorragend zum ernsten und unbequemen Thema.
Trotz der Schwere der Thematik entwickelt der Roman eine Sogwirkung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Felsenheimer versteht es, Leser*innen emotional einzubinden, ohne auf Effekthascherei zurückzugreifen. Die Dialoge sind erschreckend lebensnah und die Figuren realistisch - wenn auch teilweise etwas banal skizziert. Dass einem konstant Rammstein im Kopf herumgeistert, sei jetzt mal als Zufall deklariert.
Das Ende wirkt plausibel und rundet die Geschichte ab, wenn es auch etwas überhastet erscheint. Vielleicht hätte ein paar Seiten mehr dem Buch gutgetan, um den Figuren und ihren Entwicklungen noch mehr Raum zu geben. Dennoch bleibt “Fun” ein starkes Werk, das lange nachhallt und zum Nachdenken anregt – über Macht, ihre Strukturen.
Ein unbequemes, aber wichtiges Buch, das den Finger in die Wunde legt und die Leser*innen dazu zwingt, hinzuschauen – auch wenn es weh tut.