Der Sommer am Ende der Welt lag für viele Menschen in den sechziger Jahren, an der Ostsee oder auch an der Nordsee. Reisen und Urlaube machen konnte nicht jeder. Hanna ist Journalistin und reißt mit ihrer Teenager Tochter Katie an die Ostsee in ein sehr schönes Hotel, welches früher als Kindererholungsheim genutzt wurde. Da ihre Mutter als kleines Kind dort in einer so genannten Kinder Kur gewesen ist, möchte sie einen sehr persönlichen Artikel darüber schreiben, was den Kindern dort, in der groß in Mode gekommenen Kinderkur, widerfahren ist. Das eigene Kind wurde zur Kur geschickt, damit es gesund werden sollte oder ein bisschen zunehmen sollte oder die Mutter mal entlastet werden sollte.
Was jedoch mit den sogenannten Verschickungskindern in der Kur passierte, war sehr häufig ein Desaster und es prägte und schädigte Kinder bis ins Erwachsenenalter. Kaum auszuhalten sind die Schilderungen, die Hanna von dem ehemaligen Verschickungskind Sabine hört.
Hanna begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und begibt sich auch in grosse Gefahr. Die schöne Umgebung der Insel steht so im krassen Gegensatz zu dem schrecklichen Teil der Geschichte. Es sind keine Verdingkinder, wie man sie in der Schweiz kennt, es ist ein Teil der deutschen Geschichte, der niemals wieder passieren darf und dadurch, dass die Generation, der das passiert ist, nicht mit Hashtag und Co. aufgewachsen ist, müssen die anderen dies öffentlich machen und man kann nur hoffen, dass wenigstens ein Teil der Übeltäterinnen und Übeltäter nicht ungeschoren davon gekommen ist.
Ich wusste bis zu diesem Buch, dass es diese Kuren gab, aber nicht was dort alles passierte.
Dennoch wird die schwere Kost durch eine bzw. zwei Nebenstränge aufgehellt, die für mich das Buch mehr als lesbar, aushaltbar und wirklich sehr spannend aber auch sehr gefühlvoll machen. Eine sehr spezielle und sehr gelungene Mischung.
Eine Freundin von mir, musste das gleiche Schicksal ertragen und was sie mir schilderte versetze mich in regelrechte Schockstarre.