Beissend satirisch - eigenwillig - herrlich und erschreckend - so könnte ich den Schreibstyl des 148 Seiten starken Buch in wenige Worte fassen.
Es geht um Kontrolle ad absurdum über sich selbst und um eine absurde Mutterliebe.
Plectrude ist ein sehr einzigartiges Kind - von ganz klein an. So hat sie ihre Mutter schon vor der Geburt gesehen. Deshalb musste sie auch einen besonderen Namen erhalten. Bereits die Geschichte ihrer Zeugung und ihrer Geburt ist speziell. Dass sie so einzigartig ist, gefällt ihren Eltern, ganz besonders der Mutter, welche Plectrude noch bestärkt, ihre Träume zu verwirklichen. Ihr grosses Talent für Ballett wird gefördert. Die Neigung, sich zu kontrollieren wird in der Ballettschule gestärkt - eine Kontrolle bis zur Selbstgefährdung. Ob es Plectrude gelingt, sich aus den Fängen der Zwänge zu befreien? Der Plot ist unglaublich gut gemacht, die Entwicklung der Geschichte ist auf jeden Fall interessant und man muss sie unbedingt verfolgen.
Die Kontrolle der Nahrung, die Veränderung, die mit einer Anorexie einhergehen, kommen auch in diesem Buch zum Ausdruck. Dies ist ein wiederkehrendes Thema in den Büchern von Amélie Nothomb. Auch das Gefühl vom Fliegen ist präsent, wenn auch nicht prominent, aber auf eine Art, die mir in diesem Buch ausgesprochen gefallen hat.
Amélie Nothomb hat die Eigenheit, sehr übertrieben zu schreiben, dies aber auf eine ihr ganz eigene Art, so dass es einen teils amüsiert und einen ganz auf den Punkt bringt. Das kommt in diesem Buch gut zur Geltung. Ein in gewisser Art ein wildes, manchmal gruseliges, manchmal schönes Buch. Ich habe es ausgesprochen gern gelesen und es fast verschlungen.
- - Hast du gesehen, wie sie dich behandeln?
Der hoffnungslose Fall, der nichts anderes gewohnt war, zuckte die Achseln.
Roselyne verehrte sie dafür um so mehr und urteilte:
- Sie sind abscheulich!
Da wusste Plectrude, dass sie eine Freundin hatte.
- Das Üben an der Stange ist deshalb so langweilig, weil sie wie eine Vogelstange ist. Wenn man vom Fliegen träumt, macht es wütend, sich stundenlang an einem Stück Holz festhalten zu müssen, während man in den Gliedern schon die Lockung der Lüfte spürt. In Wahrheit entspricht das Training an der Stange dem der kleinen Vögel am Nestrand; man bringt ihnen bei, die Flügel zu entfalten,bevor sie sie gebrauchen.