Annie Ernaux, Nobelpreisträgerin für Literatur, erzählt in «Eine Frau» von ihrer Mutter – von ihrem Leben, ihrem Sterben und der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die unaufgeregte, sachliche, nüchterne Sprache, in der sie schreibt. Ohne grosse Emotionen zu inszenieren, schafft sie es, auf knapp 100 Seiten eine Berührtheit auszulösen. Gerade weil sie so sachlich bleibt, wirken ihre Worte umso intensiver.
Ernaux blickt auf Situationen im Leben ihrer Mutter zurück – und lässt dabei auch Raum für eigene Gedanken und Gefühle. Sie erzählt aus dem Leben ihrer Mutter, spiegelt aber auch den Alltag der Frauengeneration von Arbeiterinnen in Frankreich. Ein stilles, eindrucksvolles Buch, das mich bewegt hat.