Eine gefrorene Leiche im See, ein lichtscheuer Archivar, eine alte Camperin, eine jugendliche Bande, ein Herrenhaus, darin eine bettlägerige resolute Hundertjährige, ihr nicht sehen wollender Sohn, eine Oligarchenvereinigung – aus diesen Zutaten schmiedet Clavadetscher gekonnt einen Krimi mit einer klaren Botschaft: auch wenn man wegsieht, die Vergangenheit und ihre Gräuel holen uns ein, weil niemand genau hinschauen will, niemand etwas unternehmen, sich die Finger verbrennen will mit den rechtsextremen Machenschaften. Nicht nur in Ödwil, wo der Roman spielt, nicht nur damals, sondern heute, immer wieder, spannen Mächtige ihre Fäden und Fallen, raffen zusammen, was zu kriegen ist, kehren unter den Teppich, was nicht sein dürfte und weitergärt, bis es explodiert.
Ein gelungener, wachrüttelnder Roman oder Krimi, der nachdenklich macht und manches offenlässt, gekonnt geschrieben in pointierter Sprache, Mythen, Fakten und Phantasie verbindend. Erst allmählich lässt sich erkennen, wohin die Figuren und Erzählstränge laufen, wie alles mit allem verbunden ist. Ein grandioser Pageturner!