Benedict Wells’ Roman Vom Ende der Einsamkeit erzählt die Lebensgeschichte von Jules Moreau, der als Kind durch einen tragischen Verlust aus der Bahn geworfen wird. Gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern wächst er im Internat auf, geprägt von Einsamkeit, Entwurzelung und der Suche nach Nähe. Der Roman beginnt mit einer Szene aus Jules’ späterem Leben, springt dann an den Anfang seiner Biografie zurück und erzählt von dort an chronologisch weiter über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Wells schreibt sehr einfühlsam und mit starker Bildsprache. Manche Formulierungen fand ich so schön und treffend, dass sie hängen bleiben. Besonders eine Szene hat mich emotional tief berührt. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten. Diese sprachliche und emotionale Kraft ist für mich klar eine Stärke des Romans.
Allerdings hatte ich Mühe mit dem Aufbau. Die Kapitel sind lang, aber in viele kürzere Abschnitte gegliedert, die jeweils durch einen Stern getrennt sind. Innerhalb dieser Abschnitte macht Wells oft grosse Zeitsprünge. Von einer detailliert beschriebenen Szene geht es plötzlich Monate später weiter. Für mich fehlten da die Übergänge. Ich hatte das Gefühl, dass Szenen aneinandergereiht wurden, ohne dass mir die Entwicklung dazwischen nachvollziehbar wurde. Vielleicht spürt man hier die siebenjährige Entstehungszeit des Romans?
Vom Ende der Einsamkeit ist ein sensibler Roman über Verlust, Familie und das Weiterleben trotz schwerer Brüche. Für mich kein Lesehighlight, aber ein Buch mit starken Momenten, das emotional durchaus wirkt.