Die Geschichten des eigenen Lebens, werden sie wahrer, indem man sie aufschreibt? Oder spielt einem die Erinnerung Streiche, erfindet, dichtet, vergisst, lässt aus, beschönigt, dramatisiert, oder entsteht die Erinnerung erst beim Schreiben? In ihrem dritten Band mit Geschichten ihres Lebens schreibt Julia Schoch ehrlich und tiefgründig über alle Wege und Irrwege des Lebens. Bleiben sich Menschen, auch wenn sie sich noch so gut zu kennen glauben, nicht letztlich fremd, sind letztlich getrennte Wesen im Lauf von der Geburt auf den unausweichlichen Tod hin? Die Aufhänger der Geschichten sind ein Soldat, dem sie als Kind begegnet ist und mit dem sie oft im Wald gesprochen hat, und der Katalane, ein Schriftsteller, dem sie in jungen Jahren auf einem Schreibretreat nahegekommen ist – und der ihr erst nach Jahren aus dem Kopf verschwindet.
Ja, was ist die Liebe? Ein stellvertretendes Gefühl für etwas Vergangenes, Vermisstes? Ein ehrliches Gefühl für ein Gegenüber? Ein Gefühl des endlich angekommen Seins? Oder ist es nicht viel mehr so, dass wir bei aller Liebe getrennte Wesen bleiben: «Die meiste Zeit wissen wir nicht, was wir füreinander sind».
Die Gedankengänge sind intensiv und ehrlich, oft beängstigend ehrlich und wahr. Und doch, auch trügerische Erinnerungen, auch Irrtümer können glücklich machen, und was wäre das Leben ohne sie? Für mich das Highlight der Trilogie, absolut lesenswert.