Einmal mehr bin ich gespannt, was mein Buchclub zu der Lektüre sagen wird. Mir persönlich war Amanda Peters Roman, «Beerenpflücken», insgesamt leider zu blass, sowohl bezogen auf die Spannung als auch auf die Sprache, die Handlung und die Figuren.
Immer im Wechsel lässt sie die indigenen Geschwister Joe und Norma/Ruthie in der Ich-Perspektive aus ihrem Leben erzählen, beginnend 1962, als sie auseinandergerissen werden, und endend gute 50 Jahre später. Dabei nehmen beide Figuren die Handlung immer wieder vorweg, sodass der weitere Verlauf für uns bereits bekannt und somit jeglicher Überraschungen beraubt ist. Obwohl wir sie ihr ganzes Leben über begleiten, erleben wir sie nur in einem ganz eng gesteckten Umfeld und selbst dort wie isoliert, nicht zugehörig. Daran mag auch die rückblickende Erzählform zu tun haben, aber so fehlte mir die Lebendigkeit. Was stattdessen spürbar ist, sind Gefühle wie Trauer, Schuld, Wut, Ohnmacht und der lang währende Kampf des Umgangs mit diesen Gefühlen.
Es ist ein stiller Roman, mir war er möglicherweise zu still, um auch die darin liegende Kritik gleich zu sehen. Indigene Themen behandelt Peters nur am Rand. Wir erfahren, dass Joe und seine Geschwister von den Eltern nicht Mi’kmaw gelernt haben, dass ihre Mutter gläubige Christin ist. Wir lesen nichts von indigenen Traditionen und dennoch werden Joe und seine Familie von weißen Amerikanern immer wieder auf ihre Wurzeln angesprochen, mit Vorurteilen konfrontiert, leben eher am Rand der Gesellschaft, gerade auch im Hinblick auf Strafverfolgung. Nur kurz spricht Peters vom «Indianerbeauftragten» und staatlichen Erziehungseinrichtungen. Ganz am Ende sagt Joes Schwester Mae: «Die Weißen versuchen schon seit Jahrhunderten, uns unsere Identität zu nehmen. […] Wir […] müssen zurückfordern, was uns genommen wurde. Uns allen. Und es fängt damit an, dass man weiß, dass pitewey Tee heißt.» Für mich hätte dieser Themenkomplex insgesamt ausführlicher behandelt werden dürfen.
Im Nachhinein ist viel Faszinierendes zu entdecken an «Beerenpflücken», jedoch war mir persönlich die Lektüre insgesamt leider zu fad.
Aus dem Kanadischen von Brigitte Jakobeit.