Auf der Suche nach Geschichten mit dem gewissen Etwas – dem Verbotenen, dem Reizvollen – bin ich auf „Obsession“von Isabelle Herzog gestoßen. Der Trope Studentin x Professor, kombiniert mit einem Age Gap und diesem ästhetisch anziehenden Cover, hat sofort mein Interesse geweckt. Ich liebe Geschichten, die mit gesellschaftlichen Tabus spielen, dabei aber die Balance zwischen Spannung und Glaubwürdigkeit halten. Genau das habe ich mir von diesem Buch erhofft.
Die Geschichte selbst hat mich durchaus gut unterhalten. Die Grundidee ist stark: Eine junge Frau, die zwischen Faszination, Eigenständigkeit und verborgener Sehnsucht schwankt, trifft auf einen Mann, der viel mehr ist als nur ihre intellektuelle Projektionsfläche. Das Verbotene zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung – und genau dort liegt auch die größte Stärke des Romans. Die Spannung zwischen Eliza und Dio ist greifbar, fast grell in manchen Szenen. Die expliziten Momente sind dabei sehr gut dosiert: nicht zu viel, nicht zu wenig – einfach stimmig. Erotisch ohne ins Klischee abzurutschen.
Mit dem Schreibstil hatte ich allerdings so meine Mühe. Er war stellenweise recht zäh, manche Sätze wirkten etwas holprig und hätten mehr Leichtigkeit vertragen. Man merkt der Geschichte an, dass sie ein starkes inhaltliches Fundament hat, aber sprachlich nicht immer flüssig übermittelt wird. Trotzdem konnte ich die Atmosphäre genießen, besonders dann, wenn das Thema Schreiben selbst in den Mittelpunkt rückte. Da blitzte eine Tiefe auf, die ich mir öfter gewünscht hätte.
Die Charaktere sind für mich der Punkt, an dem sich das Buch nicht ganz entfalten konnte. Eliza blieb für mich zu blass – ich konnte ihre innere Welt nicht wirklich greifen, obwohl ihr Werdegang durchaus spannend gewesen wäre. Dio hingegen war interessanter, komplexer, mit klareren Konturen. Seine Vergangenheit, seine Zerrissenheit, seine Faszination für Eliza – all das war deutlich spürbarer. Auch Romi, eine Figur, die durchaus Potenzial hatte, wurde leider viel zu wenig eingebunden. Ich hätte gerne mehr über sie erfahren, gerade weil Nebenfiguren oft Tiefe in eine Geschichte bringen.
„Obsession“ war für mich letztlich ein Buch, das sich gut zwischendurch lesen lässt. Es kratzt an spannenden Themen, berührt Tabus, bringt einen angenehmen Hauch Erotik mit, ohne sich in Dramen zu verlieren. Für Leser:innen, die in das Genre Dark Romance oder erotische Literatur einsteigen möchten, ist dieses Buch ein passender Einstieg. Für erfahrene Leser:innen bietet es solide Unterhaltung, auch wenn es stilistisch noch etwas Feinschliff vertragen hätte.
Ein guter Roman mit Potenzial, der besonders durch seine prickelnde Spannung lebt, aber in Tiefe und Sprache noch etwas Luft nach oben hat.