Ich hatte wirklich Lust auf dieses Buch. Wirklich. Hatte.
Denn was ich bekommen habe, war weniger ein originelles Fantasy-Abenteuer als vielmehr ein literarischer Bastelbogen aus bekannten Klischees und Szenen, die man irgendwoher schon kannte.
Twilight? Ach komm, das nehmen wir:
Ein gedankenlesender Vampir, der sich darüber aufregt, dass ausgerechnet bei ihr Funkstille herrscht – und darüber beim Essen philosophisch wird. Natürlich darf auch das gute alte Liebesdreieck nicht fehlen. Innovativ? Naja.
Blood and Ash? Gern doch:
Eine Protagonistin, die seit ihrer Kindheit verschleiert durch die Gegend läuft, von niemandem berührt werden darf und selbstverständlich vom Oberbösewicht persönlich missbraucht wird. Kämpfen? Also… vielleicht mit Worten. Oder Tränen. Aber selbst das eher unkoordiniert.
ACOTAR? Ja, auch dabei:
Ein typischer Batboy, der zwischen “Du bist mein Schicksal” und “Oh, sorry, war zu viel?” hin- und herschwingt wie ein schlecht kalibrierter Pendel. Und ja, ich liebe Rhysand – aber diese Kopie war eher Rhys-light mit nervigem Beigeschmack.
Die Heldin?
Kaythara, die laut Erzählung die beste Kämpferinnur sein soll. Und doch stolpert sie durch die Handlung, vergisst alle fünf Seiten, was ihr gerade erklärt wurde, weint lieber statt sich zu wehren, und hätte beim Selbsterhaltungstrieb gegen eine Walnuss vermutlich verloren.
Dialoge? Plump.
Spannung? Fehlanzeige.
Triggerwarnung? Vorhanden, aber unnötig – es wird ohnehin alles nur kurz angerissen, nie wirklich verarbeitet.
Ach ja, und Mordan? Der läuft mal eben mit drei verschiedenen Augenfarben durchs Buch. Wahrscheinlich ein Chamäleon. Oder einfach nur ein Fall von „Ich hab mein eigenes Buch nicht noch mal gelesen“.
Fazit:
Ein Werk wie ein schlechter Traum aus dem Secondhand-Fantasyregal. Altbekannte Ideen, notdürftig zusammengeklebt, garniert mit einer Möchtegern-Protagonistin – und einem Lovetriangle, das offenbar nur deshalb existiert, weil die zwei Typen vermutlich eineiige Zwillinge sind. Mordan und Danmor. Ernsthaft? Wie kreativ. Wer braucht schon charakterliche Tiefe, wenn man mit Wortspielen glänzen kann?Wer auf recycelten Plot mit verwirrter Heldin steht – nur zu. Allen anderen empfehle ich: Lest lieber die Originale.