“Im Leben nebenan” ist ein Hörbuch, das mit einer faszinierenden Idee aufwartet: Es stellt zwei parallele Lebensentwürfe gegenüber und regt zum Nachdenken darüber an, was wäre, wenn man andere Entscheidungen getroffen hätte. Die Geschichte um Toni, die in einer kleinen Altbauwohnung in Berlin lebt und mit unerfülltem Kinderwunsch kämpft, sowie ihr paralleles Leben als Antonia, die in einer modernen Wohnung mit einem Baby lebt, bietet einen interessanten Ansatz, um die Themen Unzufriedenheit, Entscheidungen und das Leben in verschiedenen Facetten zu erkunden.
Der Beginn des Buchs ist vielversprechend und weckt Neugier auf die Entwicklung der Geschichte. Besonders die Gegenüberstellung der beiden Lebenswege lädt zum Nachdenken ein und spricht die universelle Frage an: Was wäre, wenn man andere Wege eingeschlagen hätte?
Allerdings fällt es mir persönlich schwer, eine positive Bilanz zu ziehen. Die Umsetzung der Idee konnte mich nicht vollständig überzeugen. Die Figuren wirkten auf mich wenig sympathisch, was es schwierig machte, sich in ihre Gefühle und Situationen hineinzuversetzen. Die Botschaft des Buches ist für mich nicht klar geworden. Was will die Autorin den Frauen mit auf den Weg geben? Mütter und kinderlose Frauen haben beide schwer zu tragen? Solche “Opferhaltungen” mag ich selber nicht.
Der Schreibstil ist angenehm und gut lesbar, was das Hören erleichtert. Leider fehlten mir überraschende Wendungen und somit die Spannung. Das Ende war für mich ebenfalls unbefriedigend, da es keine klare Auflösung bot und die Geschichte offen liess, was den Eindruck eines unvollständigen Abschlusses hinterliess.
Insgesamt ist “Im Leben nebenan” eine Geschichte, die sicherlich ihre Zielgruppe findet, mich persönlich hat sie nicht erreicht. Für mich war es leider eine frustrierende Erfahrung, die ich nicht weiterempfehlen werde.
Die Sprecherin Chantal Busse fand ich sehr gut.